Description
Eine Gutenachtgeschichte für Kinder. Auf dem Platz von Schönhügel plätschert der alte Steinbrunnen leise vor sich hin, wie jeden Abend. Bürgermeister Bruno läuft eilig über den Platz, seinen Schal hinter sich herschleifend, in der Hand den großen Schlüssel zum Festsaal, den er, wie immer, um seinen Finger kreisen lässt. Eine Drehung zu viel, und platsch: Der Schlüssel verschwindet auf dem Grund des Brunnens, zwischen Münzen und welken Blättern.
Doch morgen früh findet dort das große Schulfest der ganzen Schule statt. Bruno sieht die Katastrophe schon vor sich, die Kinder auf der Straße, das Fest abgesagt, und läuft im Kreis herum, immer wieder murmelnd, dass alles seine Schuld sei. Die Feuerwache kommt an, mit leisem Tatü-tata, und Chefin Marta beginnt mit dem einzig Sinnvollen: Sie bittet ihn, durchzuatmen und in Ruhe zu erzählen.
Man versucht es mit einem Magnetangler: Der Schlüssel ist aus Messing, der Magnet greift ins Leere. Man versucht es mit dem Kescher: Der Stiel ist zu kurz, das Wasser zu trüb. Bruno schlägt vor, den ganzen Brunnen leer zu pumpen, was die ganze Nacht dauern und dem Reiher sein Becken nehmen würde. Da kniet sich Nino hin, hält seine Nase einfach ganz nah ans Wasser, wartet, bis die Wellen sich legen, und sieht, was niemand sonst gesehen hat. Der Schlüssel liegt nicht auf dem Grund, er steckt in einem Riss im Beckenrand, direkt unter der Wasseroberfläche.
Im Lauf der Geschichte lernt dein Kind, dass ein großes Problem oft ein kleines Problem ist, das man falsch betrachtet hat, und vor allem, dass um Hilfe zu bitten keine Schande ist. Bruno, die Figur, die immer alles größer macht, lernt an diesem Abend, dass man sagen darf, man brauche eine helfende Hand, bevor man in Panik gerät, und niemand macht ihm deswegen auch nur die kleinste Bemerkung.
Der Schlüssel wandert zurück in Brunos Tasche, diesmal ganz tief unten. Der Reiher kehrt zurück ans Beckenufer, und der Brunnen findet seine Ruhe unterm Mond wieder. An der Feuerwache stellen sich die Stiefel auf, vom größten zum kleinsten, und der Abendglockenschlag beschließt den Tag.
Zu keinem Zeitpunkt sagt jemand zu Bruno, er hätte nur aufpassen müssen. Man hört ihm zu, atmet mit ihm durch, sucht gemeinsam: Diese Art, Scham zu entschärfen, statt sie zu betonen, ist der ganze Geist der Tilibou-Gutenachtgeschichten. Und währenddessen plätschert das Brunnenwasser weiter sein gleichmäßiges kleines Geräusch, wie ein Wasserhahn, der in den Schlaf wiegt.
Eine Feuerwehrgeschichte ohne Bildschirm, gedacht für Kinder ab 3 Jahren, ideal zum Zuhören schön kuschelig zur Schlafenszeit, im Auto oder vor dem Mittagsschlaf. Wie immer bei Tilibou bleibt das Ende ganz sanft, ohne Musik, um in den Schlaf zu gleiten, ohne jemanden zu wecken. 🚒
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