- Speaker #0
Bienvenue, welcome und willkommen zu Almendra Scaling Radical Impact. Ihr erkennt sicher den Song, wenn ich sage, Take me to the magic of the moment on a glory night, where the children of tomorrow dream away in the wind of change. Ein Lied, das Geschichte geschrieben hat und immer noch schreibt. Ein Song, der zu einem Symbol des Friedens wurde und später selbst Teil der politischen Debatte. Wind of Change von den Scorpions, eine international erfolgreiche Band aus Deutschland. Ich bin Merle Becker und gemeinsam mit Bernard Lecuivre spreche ich mit Menschen aus ganz Europa, die Wandel möglich machen. Durch Worte, durch Taten, durch Musik. Und ich freue mich wahnsinnig, heute mit dem Mann zu sprechen, der Wind of Change geschrieben und umgeschrieben hat. Klaus Meine von den Scorpions. Klaus, du hast Wind of Change geschrieben. Wie oft wirst du gefragt, das Lied zu peifen?
- Speaker #1
Ach, das hält sich eigentlich in Grenzen. Das ist okay. Also mal so, mal so. Es ist ja auch keine große Sache, so kurz mal ein paar Töne zu flöten.
- Speaker #0
Kannst du es einmal für uns tun?
- Speaker #1
Für dich?
- Speaker #0
Ja.
- Speaker #1
Für euch? Okay. Natürlich ganz wichtig, dass man die Lippen ein bisschen befeuchtet, ne?
- Speaker #0
Mhm.
- Speaker #1
Okay, ich probiere es mal.
- Speaker #0
Vielen, vielen lieben Dank. Du hast das Lied 1989 geschrieben, inspiriert vom Moscow Music Peace Festival. Und das war mitten in einer Zeit des radikalen Umbruchs in Europa und auch weltweit. Was war da passiert? Wie hast du diesen Moment erlebt?
- Speaker #1
Das hat ja eine Vorgeschichte. Wir waren ja 1988. als eine der ersten westlichen Bands in Leningrad damals, so hieß es noch, und haben gesagt, unsere Eltern sind mit Pfeilzahlen gekommen, wir kommen mit Gitarren und haben unsere ersten Erfahrungen in der damaligen Sowjetunion gemacht und haben gesehen, dass so viele Fans unserer Musik von faraway places like Siberia und von wo sie übergekommen sind, wir haben zehn Konzerte in Leningrad gespielt. Und das war einfach unglaublich. Und ein Jahr später dann das Moscow Peace Festival, wo wir das Gefühl hatten, die Welt verändert sich gerade vor unseren Augen. Da waren ja tausende von Soldaten eingesetzt als Security in diesem Stadion. Das Stadion war in der Mitte geteilt sozusagen, damit sie bessere Kontrolle hatten. Aber als wir auf die Bühne gegangen sind, haben die Soldaten ihre Caps in die Luft geschmissen, ihre Jacken ausgezogen, wurden eins mit den Fans und haben einfach... westliche Rockkultur gefeiert und das war einfach unglaublich von der Bühne im Lenin-Stadion das zu sehen, das zu erleben. Vor allen Dingen vor dem Hintergrund, dass wir ein Jahr zuvor noch ausgeladen worden sind in Moskau und man gesagt hat, okay, statt fünf Konzerte in Moskau, fünf in Leningrad, spielt ihr zehn Konzerte in Leningrad und dann schauen wir mal. Und die Begeisterung war riesengroß und in gewisser Weise mit all den Bands, die dann in Moskau mit dabei waren, von Bon Jovi bis... Ozzy Osbourne, Motley Crue und so weiter, waren wir mit unseren Konzerten 1988 der Türöffner. Wir haben die Tür aufgemacht und 1989, im Sommer 1989 in Moskau, war das dann wie ein russisches Woodstock. Und es war einfach ein unglaubliches Gefühl und der Schrei nach Freiheit war sehr, sehr laut zu vernehmen.
- Speaker #0
Und hast du damals damit gerechnet, dass das Lied so eine Hymne des Ende des Kalten Krieges werden würde?
- Speaker #1
Nee, natürlich nicht. Zunächst mal war es ja nur ein Song unter vielen für unser damaliges, damals neues Album Crazy World. Und als ich zurückgekommen bin von Moskau, habe ich all diese Erfahrungen und all das, was wir erlebt hatten, in diesem Song verarbeitet. Und für uns, verglichen mit all den anderen Bands, die aus Amerika kamen, hatte das eine ganz andere emotionale Bedeutung vor dem Hintergrund, dass unsere Eltern im Zweiten Weltkrieg in Russland waren. unserer Elterngeneration. Und jetzt kamen die jungen Kids mit ihren Gitarren und haben vom Frieden gesungen. Und das war natürlich sehr, sehr emotional. Und insofern waren diese Eindrücke, die man dann verarbeitet hat, dieser Song ist eigentlich wie ganz von selbst gekommen. Und ja gut, ich habe mit dem Flöten oder dem Pfeifen, wie auch immer man es nennen will, Das habe ich eigentlich nur gemacht, weil ich keine Gitarre zur Hand hatte. Und vielleicht wäre mir ein cooles Riff dazu eingefallen, aber wahrscheinlich eher nicht. Denn wie sich herausstellte später, war das Pfeifen natürlich auch ein besonderer Hookline, ein besonderer Hook in den ganzen Songs, die noch viele andere Hooks auch hatte. Aber das war ein großartiger Moment. Und die besten Songs entstehen eigentlich, wenn sie tief aus dir drin kommen und einfach... das ausdrücken, was du fühlst, was du empfindest und was du selbst erlebt hast. Und wir waren in diesem Umschwung, der sich andeutete, 1989 in Moskau. Wir waren mittendrin und wir haben es erlebt. Wir haben gesehen, da sitzt jemand im Kreml, der heißt Michael Gorbatschow, und der hat die Tür ganz weit aufgemacht. Und für das, was 1988 noch nicht möglich schien, nämlich in Moskau ein Konzert zu spielen, das wurde dann im August 1989 möglich. Und hunderttausende Fans, die total ausgeflippt sind, die unsere Songs mitgesungen haben, die jeden Song kannten. Und natürlich auch nicht zu vergessen, dass auch viele Fans aus dem Ostblock gekommen sind, aus Rumänien, Bulgarien, von überall. Und natürlich aus der ehemaligen DDR, wo wir es auch viele Jahre versucht hatten, dort zu spielen, aber nie die Erlaubnis bekommen haben, in Ostberlin aufzutreten. Und so kamen viele Fans nach Moskau. und haben uns da gesehen. Und es war, ja, es fühlte sich an, wie ich es damals, wie ich es auch in dem Song geschrieben habe. Did you ever think that we could be so close like brothers? Das war das Gefühl nach all den Jahren des Kalten Krieges. War das einfach eine emotionale Geschichte, wo wir das Gefühl hatten, wir reichen einander die Hände, wir schütten die Gräben zu. Und wir gehen gemeinsam in eine friedliche Zukunft.
- Speaker #0
Und du sagst, die schönsten Lieder entstehen, wenn man sie schreibt aus der Emotion heraus, aus dem, was man wirklich fühlt. Aber es ist ja nicht nur, was ihr gefühlt habt, sondern offensichtlich, was eine ganze Generation erkannt hat an Emotionen, an Gefühlen, an Brüderlichkeit, die ihr da auch gefasst habt. Was würdest du denn sagen, welche Rolle spielt denn Musik in solchen Prozessen? Wie wichtig ist es, dass man gemeinsame Musik hat, wenn man Gemeinschaft bilden will und Demokratie?
- Speaker #1
Es ist immer besser, zusammen zu singen, als aufeinander zu schießen. Und ich glaube, Musik und Kultur hat eine ganz wichtige Rolle in dem Zusammenspiel der Gesellschaften. Und sich auszutauschen und miteinander zu singen, bei diesen Konzerten sich so nah zu sein, das ist, glaube ich, das Besondere, was Musik ausmacht und was Musik und Kultur auch so wichtig macht. In solchen schwierigen Zeiten, wo man das Gefühl hat, wir sind über so viele Jahre getrennt und es ist ganz schwierig aufeinander zuzugehen, um einen gemeinsamen Nenner zu finden. Aber wenn es um die Musik geht, um ein Konzert, da stehen die Musiker auf der Bühne, die Fans sind vor der Bühne, sie singen zusammen und viel näher. kann man sich in dem Moment gar nicht kommen, als wirklich diese Emotionen auszutauschen und mit der Musik die Fans, die vor der Bühne stehen, mitten ins Herz zu treffen. Und zwar mit einer Sprache, die alle offenbar verstehen. Das war ja auch, als wir in Moskau an einem dieser freien Tage vor den Konzerten auf der Moskwa mit einem Moskwa-Dampfer auf dem Fluss runtergefahren sind zum Gorky Park. Mit all diesen Bands aus Amerika, aus England, aus Russland, aus Deutschland. Die MTV-Leute waren da aus Amerika, Manager aus England und Amerika. Also es war so ein bisschen, das war mein Gedanke dabei, die ganze Welt vereint in einem Boot, alle sprechen die gleiche Sprache, nämlich Musik. Und so war es auch bei all den Konzerten. Und wir haben ja in all den Jahren, denn nach dem Moscow Music Peace Festival, viele Jahre, Jahrzehnte. zwischen St. Petersburg und Wladivostok fast überall gespielt und so viele Erfahrungen gemacht und so viele positive Erinnerungen auch an die russischen Fans. Ja, nun muss ich natürlich dazu sagen, dass sich seit 2022 einiges geändert hat und die Welt sich auf den Kopf gestellt hat und somit auch all die... Betrachtungen von damals, die so zukunftsgerichtet waren, die so in eine friedliche Zukunft ausgerichtet waren, die haben sich auf den Kopf gestellt und die Uhr wurde einfach zurückgedreht. Genau,
- Speaker #0
ihr habt das hier umgeschrieben. Das heißt, diese Situation, von der du geschrieben hast, I follow the Moskau down to Gorky Park, das singt ihr jetzt nicht mehr live, richtig?
- Speaker #1
Ja, das war 2022, kurz nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine. Wir waren in Las Vegas und haben gerade eine neue Tour gestartet, haben über die Setliste gesessen und gegrübelt, welche Songs spielen wir, welche spielen wir nicht und Wind of Change. Es fühlte sich im Moment so an, können wir diesen Song mit diesem Russland verherrlichenden Zeilen, I follow the Moskau down to Gorky Park, let your balalaika sing what my guitar wants to say, können wir den einfach so spielen? In dieser Situation, wo wir jeden Abend in den News sehen, was da Schlimmes passiert, gerade in der Ukraine. Und die Antwort war, nein, können wir nicht. Und ich habe gesagt, entweder wir spielen den Song gar nicht, aber wenn wir ihn spielen, brauchen diese Zeilen eine neue Aussage. Und ich habe mich dazu entschieden, da in diesen Zeilen. die dann entstanden sind, die Solidarität mit der Ukraine auszudrücken.
- Speaker #0
Und wie war die Reaktion darauf?
- Speaker #1
Die Reaktion war großartig, weil jeder das verstanden hat, was wir damit sagen wollten. Und die Fans haben das überall, nicht nur in den USA, aber auch in Europa, überall verstanden und haben diese neuen Textzeilen mitgesungen. Und ja, was kann man tun, wenn ein Song, der... dann über die Jahre, und das ist ja über 30 Jahre her, immer noch so relevant ist und für viele so eine Bedeutung hat. Wie geht man damit um? Da gibt es natürlich auch viele, die das kritisiert haben und haben gesagt, wie kannst du diese ikonischen Zeilen, I follow the Moskau, wie kannst du das ändern? Ja, aber ich glaube, gerade in der Tiefe, wo man auch mit diesem Text, wie der damals entstanden ist, mit dem ganzen Hintergrund. Das war ja nicht irgendwas, was man sich ausgedacht hat, sondern es war etwas, was man wirklich empfunden hat, was man erlebt hat. Und wenn sich die Situation so grundlegend ändert und man sieht, so viele Menschen müssen jeden Tag sterben in einem sinnlosen Krieg, dann kann man so einen Song auch nicht mehr unbeschwert singen. Und deswegen war es die einzige Möglichkeit, das mit einem Solidaritätsstatement mit der Ukraine zu verbinden.
- Speaker #0
ein klassischer Liebessong, Laufsong, den kann man wahrscheinlich zeitlos immer und überall singen, weil Liebe gibt es immer und ist immer schön. Aber sobald ein Song irgendwo politisch ist, da muss man wahrscheinlich bereit sein, auch anzupassen und zu reflektieren, was die Message jetzt vielleicht verändert hat, 35 Jahre später. Ja,
- Speaker #1
ich glaube ja. Und ich meine, wir waren nie eine politische Band, dass wir nur so einen hochpolitischen Song auf den Weg gebracht haben, der rund um die Welt gegangen ist. Und der jetzt im letzten Jahr, glaube ich, war es über eine Milliarde Klicks auf YouTube, als eine der ganz wenigen Songs aus Europa, die diese Milliarden-Klicks-Marke knacken. Das zeigt aber, dass diese Botschaft immer noch ganz aktuell ist. Und heute vielleicht mehr denn je, dass wir uns alle einfach nach Frieden und Freiheit sehen.
- Speaker #0
keine politische Band und das hat uns auch überrascht, dass wir so einen politischen Song hatten. Ist das denn was, was ihr danach nochmal probiert habt? Gab es Ansätze zu sagen, oh, das war ein Erfolg, einen politischen Song zu machen, lasst uns das nochmal probieren?
- Speaker #1
Nee, das haben wir nicht gemacht, weil das wäre auch zu billig zu sagen, wenn man jetzt in irgendeinem Format erfolgreich ist, das wollen wir jetzt wiederholen. Das geht auch gar nicht. Aber was interessant ist, dass vor Wind of Change, nämlich 1984, gab es einen Song auf dem Album Love at First Sting, der heißt Crossfire. Und der handelte davon, in der Mitte von den Ost- und Westblock-Parteien in der Mitte zu sein und zu hoffen, dass der Frieden erhalten bleibt und dass es irgendwann auch wirklich die Mauer fällt und all diese Themen. Die haben mich schon Mitte der 80er Jahre beschäftigt. Und in diesem Song Crossfire, der, wenn man es genau betrachtet, ja auch ein politischer Song ist. Den haben wir jetzt auf der 40 Jahre Love at First Think Tour auch live gespielt, zum allerersten Mal. Und es ist großartig angekommen, weil auch der wieder in diese neue Zeit passt. Aber ich glaube, solche Sachen kann man auch nicht planen, sondern wir haben schon immer Songs geschrieben. Sei es von Eindrücken, die wir damals auf unseren Touren in Amerika gesammelt haben und Songs wie The Zoo oder Blackout und viele andere Rocksongs und vor allen Dingen Rocky Like a Hurricane natürlich, der dieses Rock'n'Roll-Feeling aus den 80er Jahren auf den Punkt bringt und einer der großen Klassiker ist. Aber das war eben die Geschichte mit Russland und in die Sowjetunion zu gehen als einer der ersten westlichen Bands. Das hat eben für uns auch viel bewegt und berührt. Und deswegen war es auch ganz logisch, dass so ein Song entstehen konnte.
- Speaker #0
Jetzt würde ich gerne herausfordernd fragen, ist man nicht immer auch irgendwo politisch, wenn man Texte und Musik an eine große Öffentlichkeit gibt? Ich höre jetzt bei dir auch raus, das war nicht der einzige Song. Es gab einige Songs. Du bist offensichtlich ein politisch denkender Mensch. Und ist nicht alles, was man irgendwo künstlerisch produziert, herstellt, nicht irgendwo auch politisch?
- Speaker #1
Ja, irgendwo stellt man sich ja irgendwo mit seiner künstlerischen Aussage auf eine Seite irgendwann. Und das ist doch gar nicht so einfach. Ich meine, eine Band... Das ist jetzt nicht ein Einzelkünstler, der einen Song schreibt und rausstellt und seine Meinung damit vertritt, sondern das sind immer eine Band, das sind immer mehr Leute, in dem Fall sind es fünf Musiker, die auch ein Wort mitreden und die auch mit ins Boot geholt werden müssen. Und wenn man so eine Entscheidung trifft und sagt, ich ändere jetzt den Text, wollen wir diesen Song mit einem neuen Text spielen, dann ist das am Ende auch nicht nur meine Entscheidung, sondern die ganze Band muss dahinterstehen, muss das tragen. und auch eine Band, die sich gar nicht so als Ganzes so politisch empfindet und mehr rock'n'roll-mäßig unterwegs ist, war das eben auch ein großer Schritt zu sagen, Klaus, wir tragen diese politische Dimension eines neuen Songs, wie es damals war, die tragen wir mit. Und natürlich hat dieser Song irgendwann den Mantel der Geschichte getragen. Und sowas kann man einfach nicht planen. hilft auch das beste Marketing nichts und sowas kann man auch nicht wiederholen. Und du hast gesagt, ob ich oft gefragt werde, ob ich mal das pfeifen könnte. Ich werde oft gefragt, ob ich nochmal so einen Song schreibe. Und die Antwort ist natürlich klar, das kann man gar nicht, das geht gar nicht und das würde ich auch gar nicht wollen. Und wie man sieht in diesen Tagen und wir waren in diesem ganzen Jahr ja auch vielen Konzerten rund um die Welt unterwegs, ist dieser Song einfach immer noch sehr, sehr populär. Und diese Friedensbotschaft kommt auch gerade bei der jungen Generation sehr stark an. Und wir haben das Privileg, für drei Generationen zu spielen. Und die jungen Leute, das sind viele, die vielleicht die Band zum ersten Mal entdecken und die Musik zum ersten Mal hören und diese Songs. Und da sieht man bei den Konzerten, wie emotional das wird. Und jeder weiß, worum es geht. Und wie sehr wir den Ausblick und die Hoffnung brauchen, und auf eine hoffentlich friedliche und freiheitliche Zeit.
- Speaker #0
Ja, es ist spannend. Du hast den Song geschrieben, als du gespürt hast, dass der Wandel zum Positiven möglich ist. Und jetzt gewinnt der Song wieder an Bedeutung, wo genau das Gegenteil prinzipiell passiert, wo wir gesehen haben, es kann auch alles wieder schlechter werden. Also Fronten können sich verhärten, der Angriffskrieg auf die Ukraine, aber auch andere Polykrisen, in denen wir uns befinden. Also die 90er Jahre waren eine friedlichere Zeit als die jetzige. Und gerade jetzt scheint der Song wieder auf. Wind zu bekommen, der Wind of Change. Also es ist jetzt eher die Hoffnung auf den Wind of Change, der bisher nicht da ist, im Gegenteil zu 1989, wo ihr ihn gespürt habt, den Wind of Change.
- Speaker #1
Man hofft, dass der Wind sich wieder dreht und jetzt 35 Jahre Wiedervereinigung, jetzt Anfang Oktober, da gibt es ja dann auch immer offizielle Programme und wenn dann der Song ist wieder in die Liste der Songs, geschafft hat, die an 250 Stellen, Institutionen, irgendwo kreuz und quer in Deutschland gesungen werden von den Bürgern, die sich auf Marktplätzen treffen oder in Kirchen und die große Klassiker singen und Wind of Change ist dabei. Dann zeigt man, dass dieser Song es doch ins allgemeine Kulturgut geschafft hat und lange, wenn wir schon nicht mehr da sind, immer noch. glaube ich, gesungen werden wird von den Menschen.
- Speaker #0
Der Song ist auf jeden Fall, hat ein großes Durchhaltevermögen, er weckt quasi immer wieder sich aufs Neue, aber ja nicht nur der Song. Auch ihr feiert ja 60 Jahre Bandgeschichte und auch das ist für eine Rockband wahrlich nicht normal und nicht gegeben. Also auch ihr habt ein Durchhaltevermögen, ihr seid immer noch auf der Bühne, ihr schreibt immer noch, ihr singt immer noch, ihr spielt immer noch. Wenn du an diese 60 Jahre denkst, was würdest du denn sagen, was hat euch oder vor allen Dingen dich immer wieder motiviert, weiterzumachen.
- Speaker #1
Mein Gott, es ist ein großes Glück, wenn man Musiker und Mitmusiker findet. wo das ganze Gerüst so einer Gruppe auf Freundschaft basiert. Und wenn diese Freundschaft nicht nur fünf Jahre hält, sondern sogar zehn Jahre oder noch länger, ist das einfach großartig. Und zu sehen, dass man, in dem Fall spreche ich von Rudolf Schenker, der die Band 1965 gegründet hat. Ich bin ein paar Jahre später dazu gekommen. Aber deshalb feiern wir in diesem Jahr 60 Jahre Scorpions. Das war ein großes Glück. dass wir zusammengekommen sind und in den 70er Jahren als Songwriter-Team gewachsen sind und so viele Songs entstanden sind. Und wenn du Musiker bist, der Tag für Tag auf der Bühne steht, ist das die eine Seite. Die andere Seite ist die, dass man als kreativer Mensch eben sich ausdrücken will. Und wenn man dann so einen starken Partner hat, der so tolle Melodien schreibt, so wie First Still Loving You oder Rock You Like A Hurricane, so ein tolles Riff. ist das immer wieder eine Herausforderung zwischen uns beiden. Aber es ist so ein positiver Wettbewerb, der da über die Jahre entstanden ist und der immer noch funktioniert. Und das ist, glaube ich, das Wichtigste, dass wir alle immer noch Spaß daran haben. Und dass wir natürlich den Traum, eine globale Bühne zu bespielen, den haben wir verwirklicht, obwohl uns viele dafür ausgelacht haben. Aber den Traum haben wir verwirklicht und sind schon sehr früh ins benachbarte Ausland gegangen. Wir haben in Benelux gespielt und waren natürlich auch viele Mal bei euch in Brüssel, vorerst national, viele Erinnerungen daran. Und haben uns dann immer weiter größere Ziele gesteckt. Dann ging es 1978 nach Japan, kurze Zeit später in die USA, wo wir dann in den 80ern große Erfolge in den Vereinigten Staaten gefeiert haben, während in Deutschland die neue deutsche Welle. sehr erfolgreich war, haben wir den Madison Square Garden in New York ausverkauft. Und es ist eine außergewöhnliche Karriere und es ist deshalb auch vielleicht einer der Gründe, dass diese Band so langlebig unterwegs ist. Aber der Antrieb ist immer noch die Musik und die Leidenschaft für die Musik. Und das, was wir Anfang der 60er Jahre als Inspiration mitgekriegt haben, von den Beatles, von den Stones, von den Who, den Kings, Led Zeppelin, all diese großartigen Bands. Haben uns damals inspiriert und haben dann irgendwann unsere eigene Scorpions DNA gefunden. Und die trägt bis heute. Und wenn du diese globale Bühne bespielen kannst, ist das Jahr so schnell vorbei. Und schon stehen die Agenten vor der Tür und sagen, was haltet ihr davon, wenn wir 2026 nochmal da spielen oder da. Und da ist keiner in der Band, der sagt, für mich das war's. Lass uns mal jetzt langsam in die... Zielgerade einbiegen, obwohl die Jahre, die vor uns liegen, natürlich weit kürzer sind als das, was hinter uns liegt. Keine Frage, der Punkt wird irgendwann auch kommen. Aber im Moment sind wir immer noch neugierig, wo uns der Weg hinführt und was das Musikerleben noch mit sich bringt. Und wir genießen es einfach noch und genießen jeden Tag, an dem wir ein Konzert spielen und die gewisse Magie, wo wir vorhin drüber gesprochen haben, dass wir Menschen mit Musik zusammenbringen, dass wir mit Musik Brücken bauen. Das ist natürlich ganz besonders wichtig und viele Erfahrungen gemacht, auch im Nahen Osten natürlich, was auch ein sehr schwieriges Thema ist zurzeit. Und wir haben immer gesehen, egal ob wir in Tel Aviv oder in Beirut gespielt haben, die Menschen vor der Bühne haben alle die gleichen Songs mit den gleichen Emotionen aus vollem Herzen mitgesungen. Und aus unserer Musikersicht, aus unserer naiven Musikersicht, sind wir irgendwo doch alle sehr, sehr verbunden und reagieren sehr, sehr ähnlich auf Emotionen, auf Musik und singen zusammen. Und dann, wenn man abends die Nachrichten schaut, dann sieht die Welt wieder ganz anders aus. Aber als Musiker haben wir immer den Punkt gesucht, vielleicht auch, weil wir eine deutsche Band sind, aufgrund unserer Geschichte, wenn man so zurückblickt, aufgrund der deutschen Geschichte, dass wir uns verbinden wollten mit... der internationalen Musikszene mit den internationalen Künstlern. Wir wollten auf Augenhöhe gesehen werden mit all diesen großartigen englischen, amerikanischen Bands. Und auch einer der Gründe, warum wir vielleicht auf Englisch gesungen haben, obwohl unser Englisch gar nicht so gut war in den ersten Jahren. Und manche sagen noch, das ist immer so geblieben. Aber viele Platin-Schallplatten später haben wir offenbar irgendwas richtig gemacht. Der Punkt war, der ist auf Augenhöhe mit internationalen Musikern auf der Bühne zu stehen. Bruce Springsteen singt Born in the USA und die US-Flagge wird stolz geschwenkt. Als wir aufgewachsen sind in den 50er, 60er Jahren als Deutsche, hatten wir nichts, worauf wir stolz sein konnten. Sondern wir haben uns den Zuspruch und die Anerkennung schon sehr, sehr früh im Ausland gesucht. Und Belgien, muss ich sagen, hat auch da eine große Rolle gespielt. Wir haben in Clubs gespielt, in Namur, in Liege und vielen anderen, sind mit unserem klapprigen Bus davor gefahren und haben die Fans gerockt und haben super Kritiken gekriegt und sind mit stolz geschwellter Brust wieder nach Hause, nach Deutschland gefahren und wussten, wir sind auf dem richtigen Weg und haben uns immer weitere Ziele gesteckt und das auch erreicht. Und wenn man da zurückblickt mit 60 Jahren und 60 Jahren Scorpions feiert, äh dann wird man sich auch bewusst. Es ist auch ganz gut, manchmal zu sehen, wie man angefangen hat und wie schwierig das war. Und auch bei all den Musikerwechseln in den 70er Jahren, dass irgendwann doch der Kern zusammengeblieben ist, der diese Band ausmacht. Und bis heute noch einfach zusammen Spaß hat, Musik zu machen, Songs zu schreiben und auf der Bühne zu stehen.
- Speaker #0
Du hast es gerade naiv genannt, dass ihr vielleicht naive Musiker wart oder seid. Aber vielleicht ist es weniger naiv, euren Weg zu gehen und daran zu glauben, dass Musik verbindet, dass Menschlichkeit verbindet, als dieser ewige Patriotismus und das Gegeneinander. Ich glaube, dass die Menschen, die vor euren Bühnen stehen, wahrscheinlich sehr viel eher die Realität abbilden, als die Politiker, die sich da gegenseitig beschießen, leider wieder. Also vielleicht seid ihr jetzt viel näher dran an der Wahrheit, als die Nachrichten uns manchmal glauben lassen.
- Speaker #1
Ja, das ist mit Sicherheit so. Man kann den Menschen ja auch nicht viel näher kommen, sondern da stehen zwischen 10.000 und 100.000, egal wie viele. Und je weniger Leute es sind, umso direkter und intensiver ist das natürlich. In einem kleinen Club zu spielen, ist sehr, sehr nah und sehr, sehr stark.
- Speaker #0
Ja,
- Speaker #1
sehr. Für mich war es immer herausfordernder, in so einem kleinen Club auf der Bühne zu stehen, als vor einer großen Menschenmasse. Es sind vollkommen zwei verschiedene Sachen. Es macht beides total Spaß und irgendwo muss man bei beiden die Messe drüber bringen. Und ich glaube, für uns als sogenannte Rockstars, mit all den produktionstechnischen Möglichkeiten, die man so heute hat. all den tollen LEDs und den ganzen Content, was da alles abläuft. Manchmal braucht man, braucht es viel, viel weniger, um Menschen zu erreichen. Und manchmal reicht es nur, wenn du lächelst auf der Bühne, wenn du dich mit den Menschen, wenn du Augenkontakt hast und dich mit den Fans verbindest. Und da reicht manchmal nur ein Lächeln. Das ist stärker als eine riesengroße Produktion.
- Speaker #0
Das ist schön. Klaus, eine allerletzte Frage. Gibt es einen Song, und das muss keiner von den Skorpions sein, das kann natürlich, aber es kann auch ein ganz anderer sein, der dich persönlich motiviert an Tagen, wenn du selber Schwierigkeiten hast, weiterzumachen und zweifelst, vielleicht an der Weltlage oder auch an dir. Welchen Song hörst du dann?
- Speaker #1
Es gibt mehrere Songs. Wenn ich in die Vergangenheit eintauche, dann kann ich eigentlich von den Beatles alles hören. Das bringt einfach immer noch diese Zeit Anfang der 60er Jahre zurück. Einfach ein großartiges Gefühl. Aber natürlich auch Stairway to Heaven, Let's Happen in Childhood Time, Deep Purple. Ich bin natürlich sehr auf der romantischen Seite verlagert. Deswegen sind oftmals meine Songs auch eher die Balladen, die entstanden sind. Und Rudolf kommt dann mit den rockigen Krachern. Insofern haben wir uns immer ganz gut ergänzt. Rudolf sagte immer, Klaus ist der romantische Typ und ich mache mehr, bin mehr. der Rock'n'Roll-Gitarrist. Aber das hat sich ganz gut ergänzt über die Jahre. Und es ist auch nichts verkehrt dran. Aber was alle diese Bands gemeinsam haben, die ich gerade genannt habe, von Beatles bis Led Zeppelin, das sind alles melodiöse Songs. Das sind mega starke Melodien. Und da habe ich immer den besten Zugang gehabt. Vielleicht hat Rudolf auch mehr von den Stones, die so ein bisschen mehr bluesmäßig unterwegs sind. Also da haben wir uns gut ergänzt.
- Speaker #0
Hast du denn einen Lieblingssong von den Beatles? Weil wir haben eine Playlist, wo wir die Lieder drauf machen, die uns empfohlen werden, die Menschen motivieren können. Welcher Beatles-Song sollte auf diese Playlist?
- Speaker #1
The Long and Winding Road. Weil das ist so ein Thema, Pascal.
- Speaker #0
Super, super, das nehmen wir mit auf. Danke, Klaus, für deine Zeit, für eure Musik, für euren Mut und für dieses Gespräch und vor allen Dingen auch für die Erinnerung daran, dass Musik viel mehr ist als einfach nur Klang oder Kunst. Sie kann Gesellschaft verändern und Menschen zusammenbringen, manchmal auch verbunden mit einem Lächeln. Danke dir, Klaus. Vielen Dank.
- Speaker #1
Vielen Dank.
- Speaker #0
Klaus, danke. Wenn euch dieses Gespräch inspiriert hat, teilt die Folge und folgt Almendra Scaling Radical Impact. Außerdem checkt unbedingt die Playlist mit den motivierenden Songs, damit ihr, wenn ihr mal im Loch seid, auch schnell wieder rauskommt. Denn Wandel beginnt mit einer Geschichte oder auch einem Song.