- Speaker #0
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Doctolib Partnerships Podcasts. Für alle, die uns noch nicht kennen, Doctolib transformiert seit 2013 das Gesundheitswesen für 400.000 Gesundheitsfachkräfte und 80 Millionen Patienten in ganz Europa. Wir unterstützen mit innovativen Softwarelösungen und helfen Patienten dabei, sicher Zugang zu Gesundheitsversorgung zu erhalten. Mein Name ist Torge Ohlmeyer, verantwortlich für Partnerschaften und Kooperationen bei Doctolib und ich freue mich sehr über meine beiden heutigen Gesprächspartner. Mir virtuell gegenüber sitzt zum einen der Mirco Donaera, Senior Partner Manager bei der BFS. Moin Mirco, schön, dass du dabei bist.
- Speaker #1
Hallo Torge, freu mich dabei zu sein.
- Speaker #0
Sehr schön, cool. Und zum anderen sprechen wir heute mit dem Zahnarzt Maximilian Fiesel, dem Gründer des Zahnhauses Monheim und Inhaber weiterer Praxen. Herzlich willkommen Max, schön, dass du dabei bist.
- Speaker #2
Ja, vielen Dank. Hallo Torge, danke für die Einladung.
- Speaker #0
In der heutigen Folge soll es primär um die Optimierung der Zahnarztpraxis und die Erfahrungen und Ratschläge, die Max uns mitgeben kann gehen. Max, magst du dich vielleicht am besten einfach mal unseren Zuhörern vorstellen und vielleicht auch deine Praxen so ein bisschen vorstellen?
- Speaker #2
Ja, sehr gerne. Ich versuche das jetzt, sage ich mal, relativ kurz und knackig zu machen. Also ich selbst bin jetzt seit dem Jahr 2017 aus dem Studium raus, habe mich im Jahr 2021 mit meinem ersten Standort selbstständig gemacht. Das ist sozusagen mein, ich nenne es immer, Mutterschiff. Es ist eine Zahnarztpraxis in Monheim, die ich übernommen habe. Sehr schöne Praxis, zentral für Monheim gelegen. Monheim ist an sich auch ein, ich sag mal, sehr guter Standort. Und das Besondere an der Praxis war damals mal eben, dass die zwei Etagen hatte. Das heißt, man hatte da in dem Sinne schon ein immenses Ausbaupotenzial. Und es gibt zwar ja viele Praxen auf dem Markt, allerdings ist es ja eben so, wenn man jetzt was Größeres und etwas Besonderes sucht, ist das dann schon... eher selten. Ja, das Ganze hat dann so gut funktioniert, dass ich im Endeffekt zwei Jahre später eine zweite Zahnarztpraxis in Mönchen-Gladbach übernommen habe. Und ja, auch da eben habe ich mein Konzept im Endeffekt etabliert, um sich gut nachzudenken, Oktober 2024 ist dann ein dritter Standort dazugekommen in Leverkusen. Und seitdem habe ich dann auch im Jahr 2023 umfirmiert zu einer MVZ GmbH, da das ja sonst zulassungstechnisch nicht... Ganz funktioniert er mit mir als Einzelperson und seitdem bin ich sozusagen nicht nur Arzt, sondern auch, man kann schon sagen, Unternehmer. Weil es eben, wenn es jetzt um mehrere Standorte geht, viel darauf ankommt, wie managt man das Ganze und wie baut man sowas auf, dass das eben auch ohne meine dauerhafte Anwesenheit funktionieren kann.
- Speaker #0
Ja, apropos, wie baut man sowas auf, da habe ich die erste Frage in deine Richtung einmal. Du hast 2021 direkt die Praxis übernommen mit zwei Etagen, das heißt eine gewisse Größe, was wahrscheinlich nicht die allermeisten Gründer direkt so entscheiden würden. Wie kam das, dass du direkt sagst, hey, ich möchte eine gewisse Größe haben für meine Praxis und groß starten und nicht möglichst klein?
- Speaker #2
Das ist halt immer so, das muss man am Ende natürlich für sich selbst wissen, was man machen möchte und wie man starten möchte. Ich hatte eigentlich immer vor, personaltechnisch etwas größer zu sein und es ist natürlich einfacher. wenn einem die Gelegenheit gegeben wird, sofort größer einzusteigen, als jetzt zu sagen, ich fange jetzt erst mal mit drei Angestellten auf drei Zimmern an und möchte dann wachsen. Das ist natürlich ein etwas schwierigerer und länger dauernder Schritt. Und ich hatte auch immer das Ziel, ich habe vorher in einer sehr, sehr großen Zahnarztpraxis mit über 20 Zahnärzten gearbeitet. Das fand ich auch von der Umgebung her total cool, weil ich mir gedacht habe, hey, wenn du mehrere Leute hast, es gibt einige Leute, die teilweise die einigen Leistungen besser können oder spezialisierter darin sind. Und man hat halt auch immer mal eine fachliche Zweitmeinung oder Dritt- oder Viertmeinung, wenn man mal irgendwie einen Fall bespricht. Und so ist dann dieser Gedanke eben in mir gereift. Und ich habe mir halt immer gedacht, wird schon schiefgehen. Und da habe ich mir jetzt gedacht, ob ich jetzt mit einer kleinen Sache anfange oder mit einer großen Sache anfange. Am Ende ist alles Zahnmedizin. Nur sind halt, je größer man in der Struktur wird, natürlich die Probleme hier und da, beispielsweise wie Personal, natürlich noch gegebener und noch anwesender, als wenn ich jetzt nur ganz klein anfange.
- Speaker #0
Absolut. Thema Personal wollen wir uns ja auf jeden Fall auch nochmal anschauen. Aber es hat ja wunderbar funktioniert, direkt mit der Größe und den weiteren Standorten, die du dann benehmen konntest. Hast du das gemacht bei der Übernahme? Welche Stellschrauben hast du angefasst? An welchen Rädchen hast du gedreht? Weil ich kann mir vorstellen, eine Praxis, die vielleicht schon ein paar Jahre existiert, da wird es ein paar Prozesse geben, die vielleicht nicht ganz optimal sind, beziehungsweise die man sich mit Sicherheit mal anschauen kann. Und gerade für unsere Zuhörer, die vielleicht sich auch gerade überlegen, ich möchte gründen oder möchte meine Praxis vielleicht nochmal neu aufstellen. Welche Ratschläge hast du da? Welche Stellschrauben gibt es, die man da anpacken kann.
- Speaker #2
Ja, ich sage mal, zwei ganz wichtige Stellschrauben. Deswegen trifft sich das gut, dass ihr beiden sozusagen auch jetzt hier mit mir in diesem Podcast sitzt. Also zuallererst habe ich angefangen, natürlich nach Praxen zu suchen, die keine kompletten Alterspraxen sind. Das heißt, ich habe generell bei allen drei Praxen darauf geachtet, dass eine gewisse Digitalisierung stattgefunden hat und auch, ich sage mal, eine gewisse Modernität überall schon mal da ist, dass man wirklich nicht von ganz klein auf anfangen musste, so nach dem Motto, wir müssen jetzt erstmal das Röntgenbild digitalisieren und das ist eigentlich noch gar kein Computer in der Praxis. Das war erstmal ein Schritt und dann ist es bei mir eben so, ich bin ja auch selbst, ich bin jetzt 34 Jahre alt, ein etwas jüngeres Semester ja noch, ich lege sehr viel Wert auf Digitalisierung, auf im Endeffekt auch viel Prozessvereinfachung und da war es dann erstmal so, natürlich war wichtig, die Bestandspatienten zu halten, allerdings war es mir auch wichtig, neue Patienten zu gewinnen. Nur da ist es dann wichtig, wie gewinne ich die neuen Patienten? Natürlich einmal über eine Website, allerdings war für mich in allen drei Standorten das schon immens wichtig, dass wir im Endeffekt mehr oder weniger sofort mit Doctolib angefangen haben, weil es tatsächlich ja so ist, Doctolib wirklich, was jetzt die Google-Sichtbarkeit angeht, da kannst du jetzt wahrscheinlich mehr zu sagen als ich, aber dennoch sehr weit den Algorithmus nach vorne schieben. das heißt Sobald du Doctolib ja im Endeffekt installierst und aktivierst, bekommt man ja schon automatisch mehrere, viele Neupatienten. Weil die Neupatientenzahlen in allen Praxen waren nicht so wirklich hoch und daran wollte ich halt arbeiten. Deswegen habe ich gesagt, okay, einer der ersten Schritte, klar, Websites verschönern, bessere Fotos, aber dann eben auch Doctolib. Und dann war für mich und ist für mich auch ein riesiger zweiter Punkt. Es ist ja schön, wenn ich die Patienten habe, aber ich muss ja dann auch in dem Sinne... nicht nur den Umsatz machen, sondern auch den Umsatz auf meinem Konto haben. Das heißt, gerade wenn man eben am Anfang ist, muss man halt auch gucken, weil man extrem viele Kosten hat. Von den Kassenzahnärztlichen Vereinigungen bekommt man, wenn man, sag ich mal, Pech hat, auch teilweise ja erst von einigen Leistungen nach sechs Monaten erst mal das Geld. Das heißt, man hat eine gewisse Wurststrecke. Und da war es mir eben sehr, sehr wichtig, eine Abrechnungsgesellschaft mit ins Boot zu holen, sodass man, wenn ich dann jetzt auf Privatrechnungen eben schreibe um eine Liquidität, aufzubauen, auch meinen Umsatz eben sicher und schnell auch schon bekomme. Weil das ist auch so eine Sache, was ja gefährlich werden könnte, weil zwei von den drei Praxen haben vorher nicht mit einer Abrechnungsgesellschaft zusammengearbeitet. Und ihr wisst ja selbst in der Zahnmedizin, wenn wir jetzt mal Arbeiten machen, die mehrere tausend Euro kosten, wenn der Patient sich dann irgendwie viermal anmahnen lässt und man rennt hinter diesem Geld dann zig Monate her, das kann dann halt auch schon mal ein bisschen eng werden. Also das sind so im Endeffekt meine allerersten Stellschrauben gewesen. Natürlich hat jeder Zahnarzt oder sollte ja jeder Zahnarzt gerade in der Selbstständigkeit oder auch in der beginnenden Selbstständigkeit ein gewisses Konzept im Kopf haben, was man eben macht. Ich mache sehr viel implantatchirurgisch und habe dementsprechend auch ein sehr implantologisch ausgelegtes Konzept. Und dann ist es halt eben auch wichtig, das in eine bereits seit langer Zeit bestehende Praxis dann eben zu etablieren. Das kann natürlich immer den ein oder anderen Ärger am Anfang geben. Aber das sind so im Endeffekt meine Hauptstellpunkte gewesen. Also auf die Digitalisierung achten, gucken, was kann ich digitalisieren, weil es ja auch heutzutage eben so ist, wir haben Personalmangel in gefühlt jeder Branche in Deutschland. Und wenn ich dann die Möglichkeit habe, Dinge zu digitalisieren, sodass ich vielleicht gar nicht so viele Leute brauche, hilft einem das natürlich auch schon ein ganzes Stück weiter. Weil früher hat man immer gesagt, ja, die Digitalisierung nimmt den Leuten die Jobs weg und am Ende, was sollen denn die armen Leute ohne ihre Jobs dann machen? Nur es ist ja jetzt eigentlich genau andersrum. Es werden keine Leute mehr oder schwierig neue Leute gefunden. Und da ist man eben sehr dankbar, wenn man die Möglichkeit hat oder auch KI-Tools jetzt, was weiß ich, für Patientendokumentation mit KI-Tools irgendwas zu machen, ist man natürlich da super aufgestellt, wenn man eben sehr digital ist.
- Speaker #1
Ich glaube, ich kretsch da mal kurz rein und gebe mein Personal. Ich habe auch schon öfters miteinander besprochen, Max. Ich glaube, das ist ja vor allem für dich, weil mit drei Standorten ist es ja auch nochmal ein ganz anderes Thema als Einzelpraxis. Und wie du auch eben schon gesagt hast, es war, glaube ich, noch nie schwieriger, an ein Personal zu kommen wie heute. Wie stellst du denn eigentlich sicher, dass du vielleicht auch die richtigen Menschen bekommst? Und wie gehst du eigentlich auch mit dem ganzen Thema so ein bisschen?
- Speaker #2
Das ist im Endeffekt, also das ist tatsächlich eine Frage, zu der ich noch nicht das Rätsel, die Lösung oder die Antwort gefunden habe, weil das auch einfach wirklich schwierig ist. Weil ich höre das ja auch immer auch mal auf Fortbildung, tatsächlich dann auch manchmal von älteren Kollegen, die dann auch einfach sagen, ich finde wirklich niemanden. Also was wir viel machen, natürlich klar, ich inseriere manchmal auf klassischen Portalen, also Online-Jobbörsen quasi oder eben auch viel mit Social Media. Hat natürlich den Vorteil, wenn man jetzt Social Media Werbung schaltet und dort eben Bewerberinnen und Bewerber bekommt, sind die natürlich auch meistens, was jetzt sage ich mal neuere, modernere Technik angeht, ein bisschen weiter. Weil das ja eben sozusagen nicht mehr der klassische Weg ist, sondern eher so durch die digitale Sache bewerben sich im Schnitt dann teilweise auch jüngere Menschen. Da ist das dann ein klein wenig einfacher, mal den Leuten KI-Prozesse zu erklären oder zu sagen, hey, wir haben hier eine digitale Anamnese und wir machen das so und so. Das ist dann ein bisschen einfacher, als wenn jetzt jemand aus einer Praxis kommt, der einen 65-jährigen Chef hat, der vor der Rente keinen Bock mehr hat, irgendwas zu digitalisieren und in Karteikarten schreibt. Und es ist so, ich finde, die erste Hürde ist es ja, überhaupt erstmal Bewerbungen zu bekommen. Und das ist natürlich auch so. Dass man schauen muss, okay, passen die Leute zu uns, können die Leute genug, wie ist der Qualifikationsstand. Die Zeiten haben sich halt auch, was das ja angeht, sehr geändert. Es findet ein Generationenwechsel statt und die jüngere Generation denkt ganz anders, als auch teilweise meine Generation oder unsere Generation denkt. Somit muss man auch etwas anders auf die Leute eingehen. Natürlich, klar, man muss die Leute fair bezahlen. Ich habe immer selbst die Meinung, ich habe im Endeffekt darauf geachtet, dass die Praxen alle von innen eben schön modern sind. Jetzt nicht nur, was die Digitalisierung angeht, sondern auch, dass es was Schönes fürs Auge ist. Weil natürlich wir da Zeit verbringen als zu Hause jetzt irgendwie. Und wenn man es natürlich auf dem Arbeitsplatz echt schön hat und man da gern hinkommt, ist das natürlich auch ein ganz wichtiges Stück. Und wir haben selbst jetzt auch in den Praxen beispielsweise auch eine Personalmanagerin. Die sich wirklich nur rein ums Personalmanagement kümmert und das habe ich selbst jetzt einfach gemerkt, dass das eben auch ein riesiger Benefit eben ist. Das geht natürlich auch rein rechnerisch erst ab einer gewissen Praxisgröße. Aber es ist natürlich super, weil ich eine Person habe, die wirklich sich dauerhaft mit den Belangen der Angestellten oder der Mitarbeiter wirklich beschäftigt, werden die ja auch viel mehr gehört. Das ist ganz wichtig. Das habe ich jetzt tatsächlich so in den letzten Monaten als sehr positives Feedback wirklich von allen bekommen, dass seitdem die Dame eben da ist, dass auch alles ein bisschen ruhiger ist. Das war so mein, sage ich mal, größtes Learning aus dem letzten Jahr, was das Personal angeht oder der größte Benefit.
- Speaker #1
Das ist mega lobenswert, weil es gibt so wenige Praxen, die ich persönlich auch kenne, die eine HR-Person auch eingestellt haben, die sich tatsächlich da beschäftigt, weil ich glaube, du hast ganz, ganz viele andere Dinge auch in der Praxis, worum du dich kümmerst. muss das Thema Personal wahrscheinlich mit das wichtigste Thema überhaupt. Und da auch ein Profi mit an der Seite zu haben, glaube ich, ist total wertvoll. Viele Beteiligten auch in allen Standorten. Was ich dich da auch nochmal fragen wollte, ist, was mir letzte Woche auch nochmal bei einer Veranstaltung noch ein bisschen bewusster auch wurde, wie gehst du eigentlich mit dem Thema Azubis auch um? Also legst du da auch ganz viel Wert drauf, dass aus den eigenen Reihen auch wieder Mitarbeiter nachkommen? Wie machst du das bei dir?
- Speaker #2
Also es war am Anfang natürlich so, als ich mich selbstständig gemacht habe, man wird ja erstmal in komplett kaltes Wasser geworfen. Alles ist neu, alle paar Tage hört man irgendwie, du musst das machen, wenn du das nicht machst, passiert das. Und das hat natürlich am Anfang bei mir immer viel, ich sage mal, Zeit geraubt. Aber es ist jetzt so, seit, glaube ich, vorletztem Jahr fangen wir natürlich auch an, sehr aktiv auszubilden mit mehreren Azubis eben pro Praxis. Weil es ist ja ganz wichtig, immer die jüngere Generation zu fördern. Das ist ein ganz, ganz, ganz wichtiger Punkt. Es bringt natürlich auch nichts zu sagen, wir haben jetzt so viel zu tun, weil das ist ja auch immer eine Sache. In den meisten Zahnarztpraxen, was ja gut ist, ist sehr viel zu tun. Es schließen viele Achsen. Also sprich, ich glaube wirklich um Zienten muss man sich eigentlich in einer Zahnarztpraxis, ich sag mal, die wenigsten Gedanken machen. Also dass sozusagen morgen in meinem Behandlungsbuch genug Patienten sind, das kann man quasi eigentlich in jeder Praxis, glaube ich, als Gesetz sehen. Nur da wird es dann natürlich auch manchmal schwierig, wenn man natürlich sagt, okay, ich muss jetzt Leute ausbilden. Ich brauche natürlich auch die Geduld für die Leute oder meine Hilfe, meine ZFAs brauchen die Geduld für die Leute, weil natürlich Auszubildende mehr meiner Meinung nach von den ZFAs jetzt lernen als von mir als Zahnarzt. Natürlich klar, in Behandlungen kann man dann sagen, assistiere mal so und so, aber die ZFAs sind da ja, sage ich mal, da die wichtigste Stellschraube, um Azubis auszubilden. Aber auch genauso machen wir es mit Assistenzärzten. Also wir haben jetzt auch dann immer im Endeffekt in den Praxen Assistenzzahnärzte, weil auch genau das der gleiche Punkt ist. Ich meine, klar, wir haben immer eine kontinuierliche Anzahl von neuen Zahnärzten, die ihre Uni-Abschlüsse jedes Jahr machen. Aber da ist es natürlich wichtig, dass neue Leute kommen, dass die gescheit was lernen. Und halt auch eben Spaß am Job haben.
- Speaker #1
Absolut.
- Speaker #2
Wie groß ist dein Team eigentlich über alle Standorte verteilt? Wir sind jetzt, glaube ich, summa summarum irgendwas zwischen 55 und 60 Leuten.
- Speaker #0
Okay, das ist schon ein bisschen was. Vielleicht da anschließend die Frage, ich wollte noch mal ein bisschen nachbohren zu dem Thema Wachstum. Weil du bist ja so wirklich seit 2021 sehr, sehr schnell gewachsen und die ganze Struktur deiner Praxen ist wirklich größer geworden. Wie schaffst du es als Unternehmer, Max? Da die Qualitätsstandards auch entsprechend hochzuhalten, weil ich kann mir vorstellen, in einer kleinen Praxis, in einer Praxis, wo du jeden Tag da sein kannst und auch vor Ort bist und entsprechend alles unter Kontrolle hast, ist es mit Sicherheit ein bisschen einfacher, als wenn du mehrere Standorte hast und dementsprechend auch deutlich mehr Mitarbeiter. Wie schaffst du es, diese Qualitätsstandards, die du mit Sicherheit hast, hochzuhalten, zu kontrollieren und hast du da einen Tipp vielleicht für Gründer oder generell für Praxen, die damit Probleme haben oder da Herausforderungen sehen.
- Speaker #2
Ja, das ist natürlich generell ein riesiger Punkt und auch einer der wichtigsten Punkte mit unter. Im Endeffekt ist es so, ich habe relativ früh angefangen, für uns, sage ich mal, einen Qualitätsstandard zu formulieren. Das heißt, was das QM angeht, Leitfäden, Verhaltensweisen, Protokolle und wir haben jetzt auf einer Fort- Fortbildung letztes Jahr in Dubai, wo der Mirco auch war, gelernt von einem Kollegen von mir. Wir haben einen Praxisleitfaden geschrieben auch, also sprich ein kleines Buch mit unfassbar viel Information. Da fängt das dann an. Wie begrüßen wir den Patienten? Wo gehe ich hin, wenn ich Probleme habe? Was sage ich? Was sage ich nicht? Wo hole ich die Sachen? Und bei den Ärzten fängt das natürlich auch an. Man muss natürlich mit den Ärzten sehr engmaschig besprechen. Okay, das ist unser Konzept. Darauf achten. Wir machen das immer so und so, dass man anfängt, eigentlich, sage ich mal, in allen Bereichen einen Standard zu machen. Also das ist sowas, ich versuche wirklich überall standardisiert zu arbeiten. Das fängt an mit, alle Zimmer sind in allen Praxen quasi gleich bestückt. Es sind die gleichen Materialien da, gleicher Bestellprozess. Die Damen an den Rezeptionen haben die gleichen Gesprächsleitfäden. Also dass man wirklich überall versucht, sich einen Standard erstmal zu definieren. Und dann muss man natürlich klar an der Umsetzung in dem Sinne so arbeiten, dass man dann sagt, okay, pass auf, du als Arzt musst dann darauf und darauf und darauf achten. Und genauso geht das dann eben auch im Helferinenteam beispielsweise, dass man da eine Teamleitung hat, in anderen Praxen eine Schichtleitung, dass die auch so ein bisschen dann immer gucken und dann sagen, okay, pass auf, ihr macht das jetzt so und so. Dass eben das dann auch so in dem Sinne kontrolliert wird, dass da auch keine Fehler gemacht werden. Und was das kostet. unfassbar viel. Ich meine, es ist Gott sei Dank auch ein klein wenig einfacher, jetzt Arbeitsanweisungen sowas zu schreiben, aber das kostet einfach wirklich unfassbar viel Zeit, dass man wirklich sagt, okay, wir haben hier einen gewissen Standard jetzt definiert. Weil es ist ja gar nicht so einfach zu sagen, stelle jetzt, was ist dein Standard? Da musst du ja sagen, okay, ich möchte, dass das im Laborbereich so gemacht wird, im Prophylaxe-Bereich so gemacht wird. Dann muss man natürlich auch erstmal so ein bisschen ausprobieren, ob es auch am Ende so, ob das gut ist, dass der Standard, den man quasi setzt, auch alle zufrieden stellt.
- Speaker #0
Da mal kurz reingefragt zwischendurch, weil du sagst, das kostet alle sehr, sehr viel Zeit und das wird natürlich auch viel deine Zeit sein. Wie lange bist du denn selber überhaupt noch am Stuhl und bereust du es vielleicht ein bisschen, dass du tendenziell vielleicht ein bisschen weniger selbst arbeitest und am Stuhl bist? Oder magst du vielleicht diesen Unternehmer, dieses Unternehmertum grundsätzlich? sogar lieber oder mindestens genauso gerne und freust dich darüber? Wie sind da die Aufteilungen?
- Speaker #2
Ja, ich sage mal, das ist manchmal so eine Hassliebe. Also es ist tatsächlich so, meine Stuhlzeit selbst ist relativ stark schon gesunken. Also es ist jetzt derzeit so, ich behandle in meiner Mönchengladbacher Praxis im Endeffekt dienstags und donnerstags, also zwei Tage die Woche, ungefähr von 10 bis 18 Uhr. Allerdings das auch wirklich da nur auf einem Zimmer, weil ich im Endeffekt nur noch Implantationen, große Präparationen, Linerfälle mache oder Veneerfälle oder sowas mache. Das heißt, ich habe in dem Sinne tatsächlich echt gerade gar nicht mehr die Zeit dafür, alle Sachen zu machen, was die Behandlung angeht. Und in den anderen Praxen ist es eben so, weil mir ist es auch wichtig, dass die Leute viel lernen, dass ich mich dann auch oft in den anderen Praxen mit dazu setze und wir Implantat-OPs oder sowas zusammen machen, weil auch bei uns die Assistenzärzte natürlich immer unter Anleitung bereits implantieren, dass da eben auch, sage ich mal, der Nachwuchs so gefördert wird, dass man da auch in solche Richtungen eben gut behandeln kann. Der Rest meiner Arbeit geht tatsächlich wirklich viel in Büroarbeit oder in Managementarbeit dann über. Es ist schon ein großes Rad, was sich dreht und man muss halt immer gucken. dass sich dieses Rad weiter dreht. Ich muss aber auch sagen, ich hatte trotzdem das Gefühl, auch als ich die eine Praxis habe, es sind immer ganz viele Herausforderungen, die man hat und viele der Herausforderungen hat auch der Zahnarzt, der nur fünf oder die Zahnärztin, die nur fünf Angestellte hat und nur drei Zimmer hat. Weil wenn man, ich weiß es nicht, einen Wasserschaden hat und dann möchte die Bezirksregierung von einem was haben und dann hört man hier was vom Gesundheitsamt und Das sind im Endeffekt ja die gleichen Herausforderungen, die du auch hast mit drei Praxen, fünf Praxen oder mit einer riesigen Praxis. Also sprich, das ist halt, glaube ich, auch das generell Schwierige daran, wenn man als Zahnarzt eben selbstständig ist, dass man einfach unheimlich viele Aufgaben gleichzeitig erledigen muss. Deswegen habe ich mir zum Beispiel auch gesagt, ich möchte ein bisschen größer werden, weil Dann ist es etwas einfacher, wenn sich natürlich in mehr Praxen mehr Umsatz generiert, kann ich mir von extern natürlich auch mehr Leute reinholen. Eine Personalmanagerin, ich kann sagen, okay, wir holen jetzt nochmal eine Werbeagentur rein und können so und so viele tausend Euro jeden Monat in Werbebudget investieren. Oder was weiß ich, was es alles noch gibt, wo ich jetzt wahrscheinlich noch mir von externen Leuten hole. Das geht dann natürlich in der Einzelpraxis. eben nicht. Eigentlich glaube ich, ist jeder Selbstständige in der Zahnmedizin im Endeffekt oder sollte im Endeffekt auch viel Unternehmer sein. Wenn ich mich meiner Meinung nach dafür entscheide, in die Selbstständigkeit zu gehen, muss ich immer ein Stück von dem eigentlichen Behandeln in der Zahnmedizin aufgeben. Oder aber ich arbeite halt jede Woche 80 Stunden, aber dann wird es natürlich auch für die Gesundheit halt auch anstrengend.
- Speaker #1
Absolut. Da auch vielleicht nochmal eine Frage, weil ja viele auch sich gerade mit dem Thema beschäftigen. Du hast eben auch gesagt, gewisse Prozesse könnte man auch digitalisieren und dadurch könnte man eventuell an der einen oder anderen Stelle auch einen Mitarbeiter vielleicht auch entlasten. Gar nicht einsparen, sondern auch entlasten. Wie siehst du denn gerade das ganze Thema Large-Language-Modelle, also ChatGPT, Gemini und all die KI-Modelle, die vielleicht auch in der Praxis jetzt schon eingesetzt werden? Wie wichtig ist das auch schon für dich so und wie nimmst du gerade eigentlich alles wahr?
- Speaker #2
Also für mich ist KI auch im positiven Sinne ein sehr großes Thema. Man muss natürlich in der Zahnmedizin jetzt auch immer aufpassen, sei das mit WhatsApp, ChatGPT und Co., was den Datenschutz natürlich angeht. Das heißt, ich selbst benutze natürlich auch viel KI, allerdings nie mit patientensensiblen Daten oder sowas. Also für mich beispielsweise, wenn es um unser ganzes Prozessmanagement und um das ganze Qualitätsmanagement geht. ist es natürlich super, eine KI zu haben, weil ich meine, man muss ja heutzutage in der Zahnarztpraxis hunderte Dokumente irgendwo ausfüllen mit irgendwelchen Leitfäden. Wenn ich das natürlich da alles vorformuliert bekomme, das spart natürlich viele Stunden. Wo ich selbst manchmal noch ein bisschen kritisch bin, aber das werden wir jetzt auch in nächster Zeit testen, ist ein KI-Telefonassistent, weil ich einfach nur da bis jetzt so ein bisschen gemischte Aussagen, gemischtes Feed. drüber bekommen habe, weil viele Patienten sich das dann auch nicht wünschen. Auf der anderen Seite ist es natürlich so, wer kennt es nicht, wir haben zig Leute an der Rezeption sitzen. Also wir haben so Feedback-Formulare, die wir mit den Patienten auch immer machen, wo die dann quasi uns anonym schreiben, was läuft gut, was läuft schlecht. Und da steht halt immer ganz oft bei, was läuft schlecht, telefonische Erreichbarkeit. Und da ist das Problem, unsere Telefone klingeln im Endeffekt dauerhaft und die Damen sind eigentlich auch dauerhaft am Telefon, aber dennoch. Es können natürlich immer nur zwei, drei Leute gleichzeitig diese Gespräche annehmen und da ist es dann schon so, dass da viele Patienten meckern und deswegen denke ich mir so, okay, das ist schon eigentlich eine ganz geile Sache, wenn man da so einen KI-Assistenten hat, weil man da natürlich die Möglichkeit hat, 24-7 erreichbar zu sein. Deswegen ist das so, ich sage mal, mein nächster Schritt, den ich machen werde oder ausprobieren werde, um diese telefonische Erreichbarkeit zu steigern. Also long story short, das ist... KI ist eigentlich, wenn man weiß, wie man es benutzt, eine super Sache.
- Speaker #0
Ja, Max, vielleicht abschließend, gegen Ende unseres Podcasts, eine finale Frage nochmal an dich, weil mit Sicherheit wird uns der ein oder andere Gründer oder Gründungswillige zuhören und es ist mit Sicherheit interessant, welche Tipps und Tricks du noch mitgeben kannst. Mich würde interessieren, was würdest du in deiner Gründungsphase genauso wieder machen? Wo würdest du sagen, das war ein Riesenfehler, würde ich auf keinen Fall nochmal so machen, da habe ich daraus gelernt. Und vielleicht kann der eine oder andere davon, von deiner Erfahrung profitieren.
- Speaker #2
Ja, also was ich immer wieder machen würde, sage ich mal, wäre die Auswahl der Praxen. Also da wirklich ganz wichtig, keine totalen Alterspraxen nehmen, außer man bekommt die wirklich geschenkt. Ein Learning, was ich gemacht oder was ich noch hatte, obwohl ich eigentlich ganz gut immer geguckt habe, ganz penibel auf die Technik in den Praxen achten. Ja, also wie alt die Stühle, wie lange und wie gut gewartet sind die Stühle, weil das sind so Sachen, da kann es halt ganz schnell unfassbar teuer werden. Und wenn man die Praxis haben möchte, aber da ist doch viel von der Technik Müll oder zu viel zu alt, muss man das halt eben wirklich eiskalt im Preis eben runterhandeln. Und dann auch noch ein ganz, ganz, ganz wichtiger Punkt, da spreche ich jetzt aus dreifacher Erfahrung. Ich verstehe mich mit all meinen Praxisabgebern im Endeffekt sehr gut. Es ist nur so, wenn man jetzt als, ich sage mal, Jungspund eine Praxis übernimmt, die seit 30 Jahren von jemandem geführt wurde, die auch sehr erfolgreich gelaufen ist und man möchte ja trotzdem im Endeffekt alles anders machen. Man denkt sich immer so, hey, das ist super, ich habe neue Patienten und der alte Chef ist auch noch da und der hat seine alten Patienten, aber das funktioniert ganz, ganz oft nicht. Also mein großer Ratschlag ist es, wenn eine Übergangsphase gewünscht ist, weil man sich vielleicht unsicher fühlt, ich würde immer einen und auch nicht auf so lange Zeit befristeten Arbeitsvertrag mit den alten Übernehmern machen. Wirklich immer. dass, wenn irgendwas wirklich schief dass man dann sagt, gucken Sie mal, menschlich mögen wir uns super und wir verstehen uns super, aber da treffen doch zwei andere Welten aufeinander. Deswegen glaube ich, ist das einfacher, wenn wir ab jetzt getrennte Wege gehen. Das ist echt ein ganz wichtiger Tipp und Ratschlag, den ich geben kann, weil sonst kann es wirklich dazu führen, dass da die Hölle auf Erden einbricht.
- Speaker #0
Mit dem Punkt Hölle auf Erden verabschieden wir uns natürlich jetzt ungerne, aber trotzdem glaube ich, sehr, sehr wertvolle Tipps, sehr, sehr wertvolle Ratschläge. von deiner Seite. Ich glaube, da wird der eine oder andere mit Sicherheit etwas mitnehmen können. Ich danke euch für eure Zeit, Max, Mirco. Schön, dass ihr da wart. Ich glaube, sehr, sehr spannendes Gespräch, coole Themen, die wir hier besprechen konnten. Und ich danke ebenso allen Zuhörern. Schön, dass ihr dabei wart und schaltet gerne das nächste Mal wieder ein bei unserem Doctolib Partnerships Podcast. Bis dahin und ganz liebe Grüße.
- Speaker #1
Ciao, ciao.