- Speaker #0
Hallo und herzlich willkommen bei Digital Health Dialogues, dem Doctolib Partnerships Podcast. Mein Name ist Josi Buchholz und in der heutigen Folge dreht sich alles um das Thema Steuern. Steuern sind für Ärztinnen und Ärzte oft kompliziert, zeitaufwendig und voller Fragezeichen. Genau hier setzt dieser Podcast an. Wir erklären steuerliche Themen verständlich, praxisnah und speziell für MedizinerInnen und Mediziner, damit sie sich auch das Wesentliche konzentrieren können. das, was wirklich zählt, ihre Patientinnen und Patienten. Hierzu eingeladen habe ich eine absolute Expertin, Stefanie Anders, Partnerin und Steuerberaterin bei ECOVIS KSO. Steffi, schön, dass du da bist. Stelle dich und ECOVIS doch bitte kurz vor.
- Speaker #1
Hallo Josi, vielen Dank erstmal für die Einladung. Ich freue mich total. Ja, Steffi Anders mein Name. Ich bin Steuerberaterin, Fachberaterin für das Gesundheitswesen. und verantworte hier in Düsseldorf bei der ECOWISS KSO den Heilberufebereich gemeinsam mit zwei weiteren Partnern. Wir sind auf die Betreuung von Ärzten und Ärztinnen spezialisiert. Wir betreuen Zahnärztinnen und Zahnärzte, medizinische Versorgungszentren und alle Menschen, die ansonsten noch im Gesundheitswesen unterwegs sind und das halt wirklich auch mit Leidenschaft. Und wir gehören dem ECOWISS-Netzwerk an, was es sowohl in Deutschland als auch weltweit gibt und sind da halt komplett im Medizinbereich unterwegs.
- Speaker #0
Schön. Ich freue mich riesig, dass du heute da bist und wir gemeinsam eine richtig spannende Folge rund um das Thema Steuern hochnehmen. Steffi, dann lass uns doch direkt auch rein starten. Wenn ich über das Thema Steuern nachdenke, fallen mir die verschiedensten Kategorien ein. Welche Steuern muss ich denn eigentlich als Ärztin oder Arzt zahlen?
- Speaker #1
Ja, das ist tatsächlich eine wirklich berechtigte Frage, die auch sehr wichtig ist, weil wir sind ja auch sehr viel im Bereich Existenzgründung unterwegs. Und betreuen dann die Ärztinnen und Ärzte in die Niederlassung und begleiten sie dahingehend. Und im Regelfall sind die Ärztinnen und Ärzte ja im Vorfeld angestellt gewesen. Das heißt, um das Thema Versteuerung von dem Arbeitslohn mussten sie sich gar nicht kümmern, weil da behalten ja die Arbeitgeberinnen oder Arbeitgeber im Vorfeld Lohnsteuer ein, wenn man ganz normal auf Steuerkarte arbeitet. Und sobald man dann halt in die Selbstständigkeit geht, muss man sich ja selber um die Versteuerung kümmern. Da kommt zum ersten Mal die Einkommensteuer ins Spiel. Das heißt, die Praxis erwirtschaftet ja einen Gewinn, einen Praxisgewinn. Und der unterliegt am Ende des Jahres der Einkommensteuer. Da kann man so ganz vereinfacht sagen, Einnahmen minus Ausgaben ergeben den Gewinn. Jetzt wirklich ganz vereinfacht gesagt, es gibt natürlich ein paar Besonderheiten, die... zu beachten sind. Beispielsweise kommt es so ein bisschen darauf an, wann ist das Geld eingegangen, wann ist das Geld gezahlt worden, also wann sind Praxiseinnahmen geflossen auf dem Konto, wann habe ich Praxisausgaben bezahlt. Und wenn ich größere Anschaffungen tätige, Investitionen, beispielsweise in Praxisgerätschaften, dann muss ich die halt über einen längeren Zeitraum abschreiben. Das heißt, wenn ich jetzt ein Röntgengerät mir kaufe als Ärztin oder als Arzt, dann kann ich das halt nicht sofort. als Kostengeld machen, sondern das wird dann halt über einen bestimmten Zeitraum abgeschrieben. Und am Ende des Jahres wird halt ein Praxisgewinn im Rahmen einer sogenannten Einnahmenüberschussrechnung ermittelt. Das heißt, unsere Ärzte und Ärztinnen sind ja Freiberufler im Regelfall und können dann im Prinzip eine vereinfachtere Gewinnermittlung in Anspruch nehmen. Das heißt, sie müssen jetzt nicht wie große Firmen oder Gewerbebetriebe bilanzieren. sondern, und das ist auch wichtig, unabhängig von der Höhe des Praxisgewinns. Also ich kann einen riesengroßen sechsstelligen Praxisgewinn beispielsweise haben und kann trotzdem diese vereinfachte Gewinnermittlung in Anspruch nehmen. So und dann Ende des Jahres wird dann im Regelfall halt durch die Steuerberaterin oder den Steuerberater ein Praxisgewinn ermittelt. Und denen muss ich dann der persönlichen Einkommenssteuer unterwerfen. Da kommt es dann auch so ein bisschen darauf an, bin ich verheiratet oder nicht. Hat mein Ehepartner oder meine Ehepartnerin. Dann auch noch weitere Einkünfte und die werden dann, ich sage immer, in einen großen Topf geworfen am Ende des Jahres, sodass man dann halt guckt, was ist alles an Einkünften vorhanden. Dann kann man noch beispielsweise Sonderausgaben geltend machen. Dazu zählen dann zum Beispiel private Kranken- oder Pflegeversicherungsbeiträge. Die Zahlungen in das Versorgungswerk sind dann noch abzugsfähig. Dann gibt es noch die sogenannten außergewöhnlichen Belastungen. Und noch ein paar weitere Positionen. Und dann wird ganz zum Schluss das zuversteuernde Einkommen ermittelt. Und das unterliegt dann der persönlichen Einkommenssteuer.
- Speaker #0
Wow, da müssen ja wirklich viele wichtige Inhalte bedacht werden. Und da merkt man dann auch mal wieder, wie wertvoll ihr SteuerberaterInnen und Berater seid. Aber jetzt lass uns mal ganz konkret werden. Das würde mich nämlich jetzt einfach mal interessieren. Wie hoch sind die Steuern denn? Also ich habe immer irgendwie 19% im Kopf. Stimmt das?
- Speaker #1
Wenn wir jetzt nochmal zu der Einkommensteuer zurückgehen, kann man das pauschal gar nicht so sagen, weil wir einen progressiven Steuersatz in der Einkommensteuer haben. Das kann man sich so ein bisschen merken. Je höher das zuversteuernde Einkommen insgesamt zum Schluss ist, ich hatte jetzt gerade so ein bisschen erklärt, wie sich das ermittelt, desto höher ist dann auch der Steuersatz. Es gibt da auch einen Grundfreibetrag, darunter fällt gar keine Steuer an. Und wenn man dann halt darüber geht, kann man dann halt von 0% bis in den Spitzensteuersatz, da kommt dann ja auch immer noch gegebenenfalls Kirchensteuer und auch der Solidaritätszuschlag zu, kann man dann halt bis zu nahezu 50% liegen zum Schluss.
- Speaker #0
Okay, krass.
- Speaker #1
Und jetzt nochmal auf die 19% zu sprechen zu kommen. Das ist die Umsatzsteuer oder Mehrwertsteuer, auch umgangssprachlich genannt. Davon sind Ärztinnen und Ärzte im Regelfall befreit, weil sie ja Heilbehandlungen durchführen. Da gibt es eine spezielle Umsatzsteuerbefreiung. Wichtig ist da halt immer, dass ein medizinisch notwendiger Grund vorliegt, weshalb diese Behandlung durchgeführt wird. Das heißt, es muss ja ein therapeutischer Zweck sein zur Behandlung oder Vorbeugung auch von Krankheiten. Wenn das erfüllt ist, dann ist die Leistung von der Umsatzsteuer befreit. Wenn wir jetzt aber beispielsweise in den Bereich der Ästhetik gehen und da halt Behandlungen durchgeführt werden, die halt medizinisch nicht notwendig sind, beispielsweise im Bereich der Schönheitschirurgie, dann unterliegen diese. Leistungen der Umsatzsteuer in Höhe von 19%.
- Speaker #0
Dann vielen Dank, dass du uns aufgeklärt hast diesbezüglich. Jetzt haben wir ja schon einiges lernen können über Einkommensteuer und Umsatzsteuer. Darauf habe ich direkt mal die nächste Frage für dich. Und zwar ist eine Arztpraxis als klassisches Unternehmen zu sehen. Wie siehst du das?
- Speaker #1
Ja, ich würde mal eben noch mal einen Schritt zurückgehen, bevor ich die Frage gerne beantworte. Welche Steuerart noch so ein bisschen ausgeblieben ist, ist die Gewerbesteuer. Die würde ich jetzt einfach nur mal noch der Vollständigkeit mit aufnehmen, weil Ärztinnen und Ärzte im Regelfall als Freiberufler selbstständige Einkünfte erzielen. Das heißt, sie unterliegen nicht der Gewerbesteuer, sind quasi kein Gewerbebetrieb. Man muss aber immer so ein bisschen aufpassen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann man auch in die Gewerblichkeit rutschen. Das wäre klassisch jetzt der Verkauf von Kontaktlinsen oder... Zahnbürsten oder was auch immer. Wenn ich zusätzlich etwas verkaufe, dann ist das eine gewerbliche Tätigkeit. Da muss man halt immer aufpassen. Und ich muss als Praxisinhaberin oder Praxisinhaber innerhalb meiner Freiberuflichkeit immer auch eine eigenverantwortliche Leitung meiner Praxis gewährleisten. Da kommt das Thema angestellte Ärztinnen und Ärzte ins Spiel. Ich kann ja in meiner Einzelpraxis bis zu drei Ärztinnen oder Ärzte anstellen. Bei den Zahnärzten sind es vier. Und da muss man halt wirklich aufpassen. Ich kann die nicht einfach schalten und walten lassen, wie sie wollen, sondern ich bin als Praxisinhaberin oder als Praxisinhaber verpflichtet, auch zu kontrollieren, was die machen. Da gibt es eine sogenannte Stempeltheorie, so nennt sich das im Steuerrecht. So kann man es vereinfacht sagen. Ich muss jeder Behandlung, die innerhalb meiner Praxis durchgeführt wird, auch meinen Stempel aufsetzen können. Und deshalb muss ich halt auch... auch immer mal im Erstkontakt sein mit den Patientinnen und Patienten, die neu in meiner Praxis sind. Und ich muss halt auch regelmäßig meine Angestellten, Ärztinnen und Ärzte überwachen können. Das vielleicht nochmal eingeschoben, das ist auch nochmal wichtig. Und gerade auch, wenn wir in das Thema Personengesellschaften gehen, also zum Beispiel BAGs, da muss ich halt auch immer aufpassen, weil sobald da nur irgendwie so eine Kleinigkeit an der Gewerblichkeit irgendwie mit reinrutscht, kann es halt sein. Dass ich mir meine gesamte Praxis gewerblich infiziere, so nennt sich das im Steuerrecht, dass dann hinterher auf einmal der ganze Praxisgewinn der Gewerbesteuer unterliegt. Da muss man echt aufpassen. Weitere Folgen sind halt auch, dass man dann bilanzieren muss unter Umständen. Das heißt, ich kann nicht mehr diese vereinfachte Gewinnermittlung in Anspruch nehmen. Und es fallen beispielsweise auch IHK-Beiträge an. Das hätte man jetzt als Ärztin oder als Arzt überhaupt nicht auf dem Schirm. Aber das kostet dann halt auch nochmal zusätzlich Geld. Deshalb muss man da wirklich aufpassen. Und zur Not halt wirklich auch einen Steuerberater oder eine Steuerberaterin mit reinnehmen. Und bestenfalls haben die natürlich auch in der laufenden Betreuung das auch im Blick. Jetzt aber nochmal auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen. Ist eine Arztpraxis ein Unternehmen? Ich glaube, wenn man jetzt einige Ärzte oder Ärztinnen fragen würde, würden die vielleicht im ersten Moment erstmal Nein sagen. Also das ist zumindest mein Empfinden aus dem Kontakt mit meinen Mandantinnen und Mandanten, dass ich so. der klassische Arzt oder die Ärztin eigentlich gar nicht als Unternehmer sieht oder zumindest viele davon und halt sagen, ich habe doch eine Arztpraxis, ich bin ja jetzt nicht wie ein Industrieunternehmen aufgestellt. Und da muss man halt jetzt aber auch sagen, naja gut, aber als Praxisinhaber schließt man einen Mietvertrag ab, man beschäftigt Personal, man geht andere Verträge mit Dienstleistern ein und das ist wie ein kleines Unternehmen. Und deshalb... muss man halt schauen. Ich sag mal, Es ist halt bei einer Arztpraxis nicht unbedingt, dass man die halt gegen die Wand fahren kann, dass das irgendwie an Patientinnen oder Patienten mangelt. Also ich sag mal, die Praxis ist im Regelfall je nach Facharztrichtung dann auch eigentlich immer voll. Aber man muss halt trotzdem auch gucken, dass man so ein bisschen mehr in dieses unternehmerische Denken reinkommt und halt vielleicht auch mal bestimmte Prozesse innerhalb der Praxis infrage stellt und guckt, macht das jetzt alles so Sinn oder? Wo kann ich vielleicht auch ein bisschen in die Optimierung gehen? Und das ist halt auch bei uns in der Kanzlei der Beratungsansatz. Also wir verstehen uns halt nicht als die reinen Buchhalter, die jetzt im schlimmsten Fall noch am Ende des Jahres einen Pendelordner bekommen und diese Jahresbuchhaltung machen. Ich nenne das immer so ein bisschen provokant, so eine Vergangenheitsbewältigung machen. Sondern uns ist halt wichtig, wirklich im laufenden Geschehen mit beizuwirken. Deshalb möchte ich halt auch, das ist am Anfang immer so ein bisschen, so ein paar Spielregeln, die ich mit meinen Mandantinnen und Mandanten aufstelle. dass wir bitte auch monatlich die Buchführungsbelege bekommen, dass man dann halt wirklich auch am Laufenden geschehen ist und da halt wirklich mit eingreifen kann. Und dass ich auch mal sehen kann, wenn sich jetzt irgendwie die Praxis in eine nicht richtige Richtung bewegt, dass man dann halt auch unterjährig eingreifen kann und nicht am Ende des Jahres sagen kann, oh ja, die Zahlen haben sich leider nicht so toll entwickelt, wie man das erhofft hat.
- Speaker #0
Das war für mich das ganz Klasse, dass ihr auch digital aufgestellt seid. Wichtiges Thema in der heutigen Zeit. Und aber auch, ich erkenne hier ein klares Fazit, dass eine Arztpraxis als Unternehmen zu sehen ist, weil Personal beschäftigt wird und Verträge abgeschlossen werden und auch Mietverträge. Dann würde ich sagen, gehen wir auch mal näher in diese unternehmerische Richtung. Man hört ja auch öfter, dass UnternehmerInnen am Ende des Jahres noch schnell einkaufen gehen, um Steuern zu sparen. Wie siehst du das? Hast du das auch schon mal gehört? Bestimmt.
- Speaker #1
Das ist tatsächlich eine Frage, die mich gerade zum Ende des Jahres oftmals erreicht, weil wenn man jetzt quasi ja auch laufend die Buchhaltung gemacht bekommen hat und dann halt auch sieht, dass der Praxisgewinn sich schön entwickelt, entwickeln dann halt viele Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber so ein bisschen ja nochmal so einen Steuerspartrieb, sage ich jetzt mal, was ja prinzipiell auch nicht verkehrt ist. Also Steuern müssen gezahlt werden, da sind wir uns ja alle einig. Aber wenn natürlich jetzt darauf... legalem Wege irgendwie noch Steuersparnisse möglich sind, sollte man die auch mitnehmen. Ich möchte aber so ein bisschen davor warnen, jetzt quasi zum Ende des Jahres Anschaffungen zu tätigen, nur um Steuern zu sparen. Also natürlich erreichen mich diese Anfragen auch immer regelmäßig und dann frage ich halt erstmal so, ist diese Anschaffung denn überhaupt notwendig oder beabsichtigen Sie jetzt etwas zu kaufen, nur um halt Steuern zu sparen, weil da muss man sich halt vor Augen führen, wenn ich jetzt etwas kaufe. mal losgelöst davon, das hatte ich ja eben schon mal gesagt, dass größere Investitionen auch abgeschrieben werden müssen. Das heißt, das kann ich sowieso nicht sofort als Ausgabe geltend machen, sondern muss es abschreiben. Und da ist halt immer so die Frage, brauche ich das wirklich? Weil wenn ich jetzt beispielsweise ein Notebook für 800 Euro kaufe, dann gehen ja erstmal Cash von meinem Konto 800 Euro runter. Das heißt, meine Belastung liegt erstmal, was die Liquidität angeht, bei 100 Prozent. Ich habe aber, das haben wir ja eben gelernt, einen Steuersatz, je nachdem wie hoch das Ergebnis der Praxis ist oder meine übrigen Einkünfte, von maximal 50 Prozent. Das heißt, das ist maximal auch nur meine Steuersparnis. Wenn wir jetzt einfach mal einfach halber mit 30 Prozent rechnen und die Praxis vielleicht gerade auch noch im Wachstum ist und noch gar nicht im Spitzensteuersatz liegt. Ich habe trotzdem erstmal eine Steuersparnis von 30 Prozent in dem Moment, habe aber 100 Prozent auf. Das heißt, das Finanzamt kann ich halt nur in Höhe meines persönlichen Steuersatzes, in dem Fall 30 Prozent beteiligen. Und deshalb frage ich halt immer, braucht ihr das überhaupt, was ihr gerade anschafft? Wenn es jetzt heißt, mein Notebook ist sowieso nicht mehr in einem guten Zustand, ich hätte mir sowieso nächstes Jahr eins gekauft, dann alles gut. Aber wenn ich jetzt anfange, Investitionen zu tätigen, wo ich mir denke, naja gut, unbedingt brauche ich das jetzt nicht, aber ich kaufe es jetzt, um Steuern zu spannen, dann ist das halt nicht unbedingt der richtige Weg, weil ich damit halt auch Liquidität ab... gebe, natürlich mein Ergebnis damit so ein bisschen runterfahre und ein bisschen Steuern spare, aber letztendlich bleibt bei mir halt einfach die Liquiditätsbelastung in Höhe von 100 Prozent.
- Speaker #0
Grundsätzlich finde ich deine Frage gut. Braucht ihr das denn wirklich? Ich glaube, das sollte man sich allgemein stellen. Aber heißt ja jetzt auch grundsätzlich, dass man gar nicht unbedingt einen hundertprozentigen Steuervorteil hat und dass es somit ja auch eigentlich wirtschaftlich gar nicht so clever ist. Jetzt sind wir gerade beim Thema Wirtschaftlichkeit angekommen und da würde ich jetzt auch gerne bleiben. Geht der Trend ja zu steigender Wirtschaftlichkeit und dazu, dass sich Ärztinnen und Ärzte immer mehr mit ihren Zahlen beschäftigen? Wie nimmst du das wahr?
- Speaker #1
Kann ich tatsächlich bestätigen. Wenn ich jetzt so die Erstgespräche mir anschaue, die ich so die letzten Monate durchgeführt habe, dann ist das oftmals so. Natürlich kann man da jetzt auch nicht immer für alle sprechen. Es gibt immer in die eine Richtung Ausnahmen und in die andere. Es gibt auch ältere Praxisinhaberinnen oder Praxisinhaber, die total interessiert sind an ihren Zahlen. Vielleicht sich selber auch regelmäßig die Leistungsstatistiken auch in der Software anschauen und so schauen, wie sie stehen. sieht aber, dass sich das Bild des Praxen... Praxisinhabers oder der Praxisinhaberin so ein bisschen wandelt in der Form, dass die Fragen anders werden, die mich halt im Rahmen der Existenzgründungsberatung erreichen. Also viele jüngere Praxisinhaber oder Ärzte, die sich jetzt niederlassen wollen, sind halt auch direkt auf dem digitalen Zug unterwegs. Bei den älteren Praxisinhabern nicht immer der Fall ist. dass da viel mehr die Akzeptanz ist, ich möchte gerne Echtzeitzahlen haben, ich möchte das alles komplett digital machen. Und es wird halt immer mehr auch in Richtung Wirtschaftlichkeit gefragt oder so gedacht, wie kann ich meine Prozesse optimieren, um halt nochmal wirtschaftlicher zu sein. Das ist so ein bisschen die Tendenz, die man in den letzten Jahren schon wahrnimmt. Was ich jetzt aber auch total legitim finde, weil da sind wir wieder an dem Punkt, eine Arztpraxis ist halt auch ein Unternehmen. und natürlich... Will man die Patientinnen und Patienten gut behandeln? Das geht mir ja mit meinen Mandantinnen und Mandanten nicht anders. Aber das muss sich ja am Ende des Tages auch irgendwie rechnen. Und wenn man jetzt halt quasi auch Investitionen tätigt, beispielsweise in größere Gerätschaften, muss man sich halt auch so ein bisschen mal Gedanken machen, ist das gerade auch alles wirtschaftlich, was ich mache?
- Speaker #0
Eben, und da bin ich nämlich auch ganz bei dir. Ich glaube, dass für jeden, also ob das jetzt eine Ärztin ist, ein Arzt oder ein Unternehmer oder ... Wie auch immer, dass es immer wichtig ist, sich mit seinen Zahlen auseinanderzusetzen und dass man schon schaut, wie man sich wirtschaftlich am besten aufstellen kann.
- Speaker #1
Der Gedanke kam mir jetzt gerade auch nochmal so ein bisschen, halt auch immer seinen eigenen Kostenapparat vor Augen zu haben. Also auch gerade mal, wenn man in den Bereich Igel geht. Da habe ich das ganz oft, dass dann halt für bestimmte Igelleistungen Preise genommen werden, wo man dann auch mal so ein bisschen hinterfragt, wie haben sie das denn bemessen, diesen Preis, den sie jetzt da nehmen. Und dann kommt halt so. macht die Konkurrenz auch oder macht der Arzt nebenan auch. Wo ich mir dann auch denke, naja, man muss aber auch ein bisschen seine eigene Kostenstruktur im Blick haben und nicht einfach Preise so übernehmen, wie es halt dann auch die Konkurrenz in Anführungszeichen macht.
- Speaker #0
Genau, deswegen danke, dass du das nochmal eingeschoben hast, weil es ist ein super wichtiges Thema, gerade auch im Hinblick auf die ganzen IGE-Leistungen. Wie kann ich da die Preise jetzt letztendlich ermitteln? Das ist super wichtig, dass Ärztinnen und Ärzte da Unterstützung bekommen und nicht einfach irgendwie einen Wert nehmen, weil die Konkurrenz in Anführungszeichen das eben so macht. Lass uns das Thema Wirtschaftlichkeit hier einmal abhaken und zu einem weiteren Trendthema gehen. Und zwar das Thema Work-Life-Balance. Da bin ich nämlich mal gespannt, wie du das Ganze siehst. Weil ich nehme wahr, dass das Thema auch bei Ärztinnen und Ärzten immer wichtiger wird. Wie sieht es bei dir aus?
- Speaker #1
Da kann ich nur meine Zustimmung erteilen. Ich sage mal, das ist ja ein Thema, da kommt man ja überhaupt nicht drum herum. Also das ist ja in allen Bereichen so. Und das greift so ein bisschen mehr ein, was ich eben schon gesagt habe. Also das ist halt mittlerweile eine ganz andere Generation, wo auch vielleicht andere Themen mehr im Vordergrund sind. Auch das Thema Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. Also wenn ich jetzt mal so ein bisschen... an unsere Kindheit irgendwie denke, da war der Vater dann halt den ganzen Tag arbeiten. Und da waren dann vielleicht auch mal Veranstaltungen in der Schule oder so, wo es dann einfach hieß, ja, der Papa ist jetzt arbeiten, der ist halt nicht da. Und das ist jetzt halt ganz anders, dass man dann vielleicht auch mal versucht, als Familienvater mehr an solchen Aktivitäten, sage ich jetzt mal, teilzuhaben. Und das ist ja auch alles sehr begrüßenswert und schön. Aber da sieht man halt so ein bisschen den gesellschaftlichen Wandel. Viele wollen es halt auch einfach gar nicht mehr, jetzt wirklich nur die Praxis zu haben. Und man darf ja auch nicht vergessen, wenn die Sprechstunde vorbei ist, muss ja auch noch die ganze Organisation gemacht werden. Es muss die Buchhaltung beispielsweise für den Steuerberater vorbereitet werden. Die Gehälter müssen vorbereitet werden. Überweisungen müssen getätigt werden. Da sind wir wieder bei dem kleinen Unternehmen. Und das ist ja ein kompletter Organisationsapparat, der dann bedient werden muss. Und da merke ich halt wirklich schon. dass viele einfach auch gar nicht mehr die Lust haben, jetzt irgendwie so eine 50-60-Stunden-Woche zu haben, auch dann vielleicht auch mit irgendwelchen Tätigkeiten noch für die Praxis am Wochenende, sondern dass man wirklich dann halt auch sagt, ich möchte... von meinen Patientinnen und Patienten da sein. Ich möchte meinen Job machen, weil ich den einfach liebe. Aber ich möchte das auch nicht um jeden Preis machen, sondern ich möchte auch genauso für meine Familie und vielleicht auch mit meinen Kindern da sein. Und da ist so ein bisschen die Tendenz, die man wahrnimmt, dass der Trend nicht mehr so unbedingt zu der Einzelpraxis geht, sondern zu größeren Zusammenschlüssen. Und da halt dann auch nochmal das Stichwort MVZ, was es ja auch einfach dann im Anstellungs... Modus dann einfach auch viel flexibler nochmal ermöglicht, auch Teilzeit zu arbeiten. Das merkt man auf jeden Fall, also das nimmt man schon wahr, dass da die Tendenz auch so hingeht.
- Speaker #0
Vielleicht da ganz kurz abschließend, ich persönlich finde auch, dass das ein sehr schöner Trend ist, gerade so wie du es auch beschrieben hast. Lass uns das einfach so weiterleben. Vielen Dank für die spannenden Einblicke. Wir haben heute gesehen, dass Steuern für Ärztinnen und Ärzte ein komplexes, aber absolut wichtiges und richtiges Thema sind, vor allem beim Schritt in die Selbstständigkeit. Es wurde deutlich, dass neben der Einkommensteuer auch Themen wie Umsatzsteuer und die Abgrenzung zur Gewerblichkeit eine zentrale Rolle spielen. Gleichzeitig hängt die tatsächliche Steuerbelastung immer vom individuellen Einkommen ab. Pauschale Aussagen greifen hier also zu kurz. Besonders spannend war auch die Erkenntnis, dass eine Arztpraxis im Kern ein Unternehmen ist. Das bedeutet neben der medizinischen Tätigkeit gewinnen betriebwirtschaftliches Denken, Zahlenverständnis und strategische Entscheidungen zunehmend an Bedeutung. Auch beim Thema Steuern sparen wurde klar, jede Ausgabe ist automatisch sinnvoll. Entscheidend ist, ob eine Investition wirklich einen Mehrwert für die Praxis bringt und nicht nur kurzfristig die Steuerlast senkt. Und zuletzt zeigt sich ein klarer Trend. Immer mehr Ärztinnen und Ärzte legen Wert auf wirtschaftliche Optimierung und gleichzeitig auf eine bessere Work-Life-Balance. Neue Praxisstrukturen und Arbeitsmodelle bieten hier spannende Möglichkeiten. Danke, Steffi, dass du euer Wissen und eure Erfahrungen mit uns geteilt hast. Für unsere Hörerinnen und Hörer, die mehr über euch, also Ecovis KSO, erfahren möchten. Wo finden sie euch denn? Oder wie kann man euch am besten erreichen?
- Speaker #1
Ja, also erstmal nochmal ganz herzlichen Dank, dass ich überhaupt dabei sein durfte heute, Josy. Es hat mir richtig Spaß gemacht und ich freue mich einfach total. Ja, wer uns gerne finden möchte, wir haben natürlich eine Homepage www.ecovis-kso.com. Sind aber auch auf Social Media vertreten, also Instagram oder LinkedIn. Da gerne mal vorbeischauen. Da berichten wir auch immer wieder aus dem Bereich der Heilberufe, haben beispielsweise auf unserer Homepage auch einen eigenen Blog, wo meine Kolleginnen und ich auch regelmäßig Beiträge zu interessanten Themen für Ärztinnen und Ärzte posten. Also da gerne einfach laufend mal reinschauen.
- Speaker #0
Ja, Steffi, danke für den spannenden Austausch. Auch mir hat es mega Spaß gemacht, dass du heute dabei warst. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, geht doch gerne bei weiteren Fragen direkt auf e-covis zu. Abschließend findet ihr alle Informationen zu Doctolib und unseren Lösungen auf doctolib.de. Dort könnt ihr auch einen kostenlosen Beratungstermin vereinbaren. Hat euch diese Folge gefallen? Dann abonniert gerne unseren Podcast und bewertet uns. Welche Themen beschäftigen euch denn eigentlich in eurer Praxis? Schreibt uns eure Vorschläge für kommende Folgen. Wir freuen uns drauf. Vielen Dank dir, liebe Steffi und vielen Dank an unsere Zuhörerinnen und Zuhörer fürs Dabeisein. Habt einen tollen Tag und bis bald.