- Speaker #0
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Doctolib Partnership Podcasts. Für alle, die uns noch nicht kennen, Doctolib transformiert seit 2013 das Gesundheitswesen für 400.000 Gesundheitsfachkräfte und 80 Millionen PatientInnen in ganz Europa. Wir unterstützen Praxen mit innovativen Softwarelösungen und helfen PatientInnen dabei, einfach und sicheren Zugang zur Gesundheitsversorgung zu erhalten. Falls du uns zum ersten Mal hörst, vergiss nicht, unseren Podcast zu abonnieren. damit du keine wertvollen Insights aus der Gesundheitsbranche verpasst. Mein Name ist Laura Rittberger und in der heutigen Folge dreht sich bei uns alles um das Thema Praxisübernahme und Praxisbewertung. Wir schauen uns an, welche Faktoren in eine Praxisübernahme reinspielen, was wichtig ist für eine Praxisbewertung und welche digitalen Tools eine Rolle spielen, wie zum Beispiel Doctolib. Hierzu eingeladen habe ich mir heute Fabian Engelhardt aus Würzburg von den Jungmedizinern. Lieber Fabian, schön, dass du da bist. Stell dich doch gerne auch erstmal kurz vor.
- Speaker #1
Liebe Laura, erstmal herzlichen Dank für die Einladung. Das mache ich doch sehr gerne. Fabian Engelhardt, Geschäftsführer der Gesellschaft der BRZ, Beratungsgemeinschaft für Ärzte und Zahnärzte, GmbH und Jungmediziner.de. Aus dem, wie du schon gesagt hast, wundervollen Würzburg.
- Speaker #0
Sehr schön, Fabian. Es freut mich sehr, dass du heute bei uns bist. Seit wann gibt es denn die Jungmediziner?
- Speaker #1
Ja, unser Unternehmen gibt es jetzt dann bald 40 Jahre in diesem Jahr. Wir folgen so ein bisschen der Zwei-Marken-Strategie, das heißt unsere Marke Jungmediziner.de. Gibt es jetzt seit ein paar kürzeren Jahren, muss man so ehrlicherweise sagen, weil wir einfach gemerkt haben, dass im Gesundheitswesen, darauf spielst du an, haben wir ja zukunftsweisende Entscheidungen und da ist ja auch die Ansprache, so wie wir jetzt per Du sind, sind halt die Medizinstudierenden mittlerweile auch einfach es gewohnt auf Instagram, auf Pinterest, auf YouTube unterwegs zu sein und eine Du-Ansprache zu haben, wohinge der Chefarzt halt immer noch selbstverständlich gesiezt wird. Und deswegen gibt es bei uns im Prinzip so zwei Marken, ein bisschen das jüngere Klientel mit den ganzen Social-Media-Themen über die Jungmediziner. Oder dann über die gestandene Medizinathek bei der BAZ mit denselben Gesichtern, aber selbstverständlich und Expertise.
- Speaker #0
Ja, sehr cool. Und seid ihr zufrieden, wie es bisher mit beiden Sparten so läuft?
- Speaker #1
Ja, also jetzt sage ich mal, als nächste Generation der Rate das Familienunternehmen übernimmt, läuft es sehr gut. Ich meine, wir sind 40 Jahre am Markt und schenken knapp 4000 Mediziner und Medizinerinnen, aber auch die ganzen Heilnebenberufe, Physiologo, Logo oder auch Apotheker das Vertrauen. Und das ist schon eine tägliche Verantwortung, die man da einfach hat.
- Speaker #0
Ja, ist eine ordentliche Summe, muss man tatsächlich sagen. Wie bist du denn dazu gekommen? Also was hat sich dazu bewogen, dich auf diese Sparte zu spezialisieren?
- Speaker #1
Ich glaube, da muss ich jetzt ein Stück zurückspringen. Irgendwie so nach meiner Realschulzeit, in der ich ein bisschen lost war, würde ich mal sagen, habe ich ein freiwilliges soziales Jahr gemacht. Und dafür brenne ich immer noch. Also jeder, der Orientierung sucht, macht ein FSJ oder ein ökologisches Jahr oder irgendwas, was einem Orientierung gibt. Ja, und wenn man dann selbst ein Jahr im Alltag an der geriatrischen Reha-Klinik ist, mit Schichtdienst, mit wie koche ich eigentlich Kaffee, wie wasche ich einen Patienten den ganzen Tag, wie vermeide ich es, meinen Rücken kaputt zu machen, entwickelt man so eine Motivation zu sagen, da mache ich selber noch ein bisschen was, bilde mich weiter, hole Abitur nach, gehe studieren. Und dann aber auch schon die Ideen, was braucht es in einem Gesundheitswesen, dass vielleicht nicht alle mit 40 oder 45 ausgebrannt sind.
- Speaker #0
Ja, ist sehr schön von der Denkweise her. Ist auch schön, dass du sozusagen in der gleichen oder ähnlichen Sparte da auch geblieben bist. Ihr habt euch ja sehr, darüber sprechen wir auch heute, auf Praxisübernahmen, Übergaben spezialisiert. Wie viele Praxisübernahmen oder Übergaben habt ihr denn bisher begleitet mit der BRZ oder auch den jungen Medizinern?
- Speaker #1
Ja, also die genaue Anzahl kann ich ja gerade nicht sagen. Also ich koordiniere gerade parallel sechs Niederlassungen. Und das ist immer so meine regelmäßige Taktung. Und dann, je nachdem, wer natürlich fachlich im Thema ist, weiß, Zulassungsausschuss, Kassenärztliche Vereinigung, je nach Zulassungsterminen und Sitzungen begleite ich pro Jahr immer sechs parallel. Und dann würde ich sagen, zehn kriegt man pro Jahr über den Tisch in meiner Person. Mein Vater ist auch noch mit dabei, andere Kollegen, Kolleginnen. Also würde ich schon mal sagen, so 20 im Jahr kommen wir schon hin.
- Speaker #0
Wow, das ist aber auch eine ordentliche Summe, oder?
- Speaker #1
Ja, es wird nicht langweilig. Und da kommen wir ja dazu, das ist ja auch immer ein hochkomplexes Thema. Das ist ja nochmal nicht schnell in einer Stunde irgendwie erledigt.
- Speaker #0
Ja, absolut. Habt ihr da mehr Praxisübernahmen oder mehr Praxisübergaben?
- Speaker #1
Im Moment erleben wir ja, dass wir ein mathematisches Problem im Gesundheitswesen haben. Das heißt, oben hören einfach mehr niedergelassene Ärzte und Ärztinnen auf, als von unten nachkommen. Aber entgegen der Meinung, dass es überhaupt gar keinen mehr gibt, der eine Praxis übernimmt, würde ich sagen, doch, da gibt es schon noch Leute. Die Übernahmen sind momentan doch wieder deutlich am steigen. Aber realistisch ist, auch wir werden nicht für jeden unserer abgebenden Mandanten ein passendes Match, einen Nachfolger finden.
- Speaker #0
Und was denkst du, wieso das so ist, dass einfach weniger nachkommen ist? Ist das ein Sicherheitsfaktor? Weil zum Beispiel in der Zahnmedizin sind es ja tatsächlich die meisten Absolvierenden, sind ja Frauen, die vielleicht einfach nicht so risikofreudig sind oder oft auch einfach wissen, dass sie Familiennachwuchs planen. Was denkst du, woran liegt das?
- Speaker #1
Zum einen haben wir, wie gesagt, dieses mathematische Problem. Also oben hören mehr auf als unten nachkommen. Das lässt sich mathematisch nicht ändern. Und die, die von unten nachkommen, sind halt überwiegend weiblich. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Aber es verändert die Medizin. Deswegen sagen wir, die Medizin ist eigentlich schon weiblich. Die wird nicht weiblich, die ist weiblich. Und ja, natürlich, also ich als Mann kann nach wie vor keine Kinder gebären. Jetzt bin ich Papa von zwei kleinen Mädchen. Ja, genau, also das funktioniert nicht. Das heißt, wenn wir natürlich auch gesellschaftlich einen weiteren Wert darauf legen, dass wir Nachwuchs haben, und den brauchen wir ja, also Fachkräftemangel haben wir nicht nur in der Medizin, den haben wir in allen Branchen, brauchen wir natürlich auch Menschen, die weiterhin Kinder zur Welt bringen. Und dann haben die logischerweise in ihrem Lebenslauf irgendwo eine Delle, eine Pause und sagen dann vielleicht, ich gehe erst später in die eigene Praxis, weil ich während der Elternzeit einfach diese Sicherheit in der Anstellung noch brauche, damit ich diese soziale Rückfallebene habe. Und das ist ja vollkommen in Ordnung. Und so kann man ganz grob, also die letzten aktuellen Zahlen liegen mir jetzt noch nicht vor aus dem letzten Jahr, aber vorletztes Jahr kann man sagen, auf einen Vertragsarzt, der aufhört, braucht man eigentlich mittlerweile 1,2 beziehungsweise 1,3 Köpfe, die nachkommen. Und wenn eh schon zu wenig da sind und wir nicht nur eins zu eins ersetzen können, das werden wir nicht wuppen können.
- Speaker #0
Ja, okay. Wusste ich tatsächlich so auch noch nicht, dass das so ist. Was passiert denn mit Praxen, die nicht übernommen werden im Endeffekt?
- Speaker #1
Naja, das ist so ein bisschen erstmal ein psychologisches Thema für die Abgeber, die dann wahrsten Sinne des Wortes auch die Praxis zusperren. Weil die alle haben ja einen gültigen Mietvertrag, der meistens noch ein bisschen läuft. Das heißt, idealerweise terminiere ich natürlich dann meinen Ausstieg mit dem Ende des Mietvertrags. Aber jetzt stell dir vor, du bist niedergelassener Radiologe seit 30 Jahren an einem Standort, findest niemanden, der nachkommt und dann hast du auf einmal im Mietvertrag Rückbauverpflichtungen. Und ich meine, eine Praxis für Allgemeinmedizin ist einfacher zurückgebaut als eine Praxis für Radiologie. Und wenn ich dann halt mal schnell nochmal einen fünfstelligen Betrag in den Rückbau investieren muss, dann fehlt mir nicht nur der Veräußerungsgewinn, der mir vielleicht irgendwann mal versprochen wurde, sondern ich muss zusätzlich sogar noch Geld in die Hand nehmen, um die Räumlichkeiten zurückzubauen.
- Speaker #0
Ja, absolut. Welche Fachärzte oder Therapeuten betreut ihr denn da? Alle, querbeet oder habt ihr euch auf eine gewisse Sparte spezialisiert?
- Speaker #1
Also da alle querbeet. Es hat sich aber einfach so ein bisschen herauskristallisiert. Jeder von uns im Team hat einfach so seine Affinität zu Fachrichtungen bekommen. Also hat sich irgendwie einfach ergeben. Also ich bin relativ stark im Bereich Kinderheilkunde oder Gynäkologie ist sehr viel auf meinem Zettel oder Allgemeinmedizin. Da eingehend bin ich immer froh, wenn einer meiner Mitarbeitenden das ganze Thema HNO übernimmt, weil da fehlt mir dann in der Medizintechnik, in der Ausstattung dann auch einfach irgendwo das Tiefe, das Know-how. Und das ist gut, wenn sich dann einfach die Last auf mehrere Themen oder auf mehrere Köpfe verteilt.
- Speaker #0
Okay, verstehe. Und was würdest du sagen, in welcher Sparte von Ärzten ist es am einfachsten oder auch am schwierigsten, eine Praxis zu übergeben oder zu übernehmen?
- Speaker #1
Ich glaube, schwierig ist momentan das ganze Thema Allgemeinmedizin. Da gibt es ja jetzt auch verschiedene Initiativen mit Landarztquoten, mit eigenen Lehrstühlen, gerade hier in Würzburg gibt es jetzt an der Uni gerade erst wieder auch einen neuen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin, um dem Thema wieder eine Bedeutung zu geben, dass die Allgemeinmedizin halt auch wertgeschätzt wird. Da gab es ja auch Jahre, wo es hieß, die Allgemeinmedizin, das ist ja nur eine Steuerungsfunktion. Also da gehe ich halt hin, wenn ich Husten, Schnupfen, Heiserkeit habe. Und ansonsten bin ich gleich beim Facharzt. Das ändert sich gerade ein bisschen. Aber wir haben halt einfach viele allgemeinmedizinische Praxen. Und dann kommen wir wieder auf dieses mathematische Problem. Also da sehe ich schon ein bisschen Probleme. In anderen Fachrichtungen muss man fairerweise auch sagen, sind schon auch Investoren mit eingestiegen. Gerade in der Zahnheilkunde, in der Radiologie, da sind die Kuchen auch teilweise schon verteilt.
- Speaker #0
Ja, ich habe es auch. Ich war auch lange im Vertrieb bei Docsolib, bis ich dann Partnermanagerin wurde. Und ich hatte damals den Zahnarztbereich betreut und habe es des Öfteren auch mitbekommen, dass wir natürlich auch Anfragen hatten bei uns, die mit Docsolib starten wollten von Praxisübernahmen oder Übergaben, wo sich es dann auch verzögert hat oder dann ist auch die Praxisübernahme doch nicht zustande gekommen. Ist natürlich auch ärgerlich dann für die Zahnärztin in dem Fall. Was würdest du denn sagen, wann der richtige Zeitpunkt ist, um eine Praxisübernahme oder Übergabe zu planen?
- Speaker #1
Also mein Vater hat immer gesagt, naja, zwei Jahre Vorlauf reichen. Mittlerweile hat es sich ein bisschen gewandelt. Also ich sage, drei bis fünf Jahre vorher sollte man sich schon mal so die ersten Gedanken machen und einen Fahrplan skizzieren. Was aber dann auch mit dem Praxiswert an und für sich zu tun hat. Weil wenn ich natürlich einfach eine Praxis oder ein Unternehmen bewerte, dann gucke ich mir ja in der Regel immer die letzten vier Jahre an. Wie waren die denn so? Und wenn ich die letzten vier Jahre halt einfach sage, da mache ich halt nicht mehr so viel oder ich investiere auch nicht mehr, dann kann da auch auf dem Papier nicht so ein hoher Wert entstehen. Und deswegen muss ich sowas halt einfach frühzeitig, ich sage mal drei bis fünf Jahre vorher, zumindest mal die Weichen stellen und mich mal darüber unterhalten.
- Speaker #0
Wow, das ist schon eine lange Zeit auf jeden Fall. Ja, drei bis fünf Jahre vorher. Ich weiß nicht, was in drei bis fünf Jahren ungefähr ist. Was wäre denn da deiner Meinung nach wichtig? Was ist deiner Meinung nach wichtig, was in die Praxisbewertung mit reinspielt? Auf was sollte ich selber als Arzt oder Ärztin darauf achten, wenn ich weiß, in drei bis fünf Jahren ungefähr werde ich meine Praxis abgeben, was dann zur Wirtschaftlichkeit im Endeffekt beiträgt, dass ich die Praxis besser übergeben kann? Oder auch von der Inneneinrichtung her?
- Speaker #1
Also beim Praxiswert unterscheiden wir immer so den immateriellen Wertbestandteil oder auch den materiellen Wertbestandteil. Letzterer ist einfach, weil das sind wirklich die Dinge, die da sind, die man irgendwie anfassen kann. Der Schreibtischstuhl, das MacBook, das Handy, das Praxisfahrzeug, irgendwas, was da ist. Und das ist auch etwas, was ja ein Steuerberater immer im Anlagenverzeichnis aktiviert. Das heißt, da habe ich einen Anschaffungswert und ich habe einen aktuellen Buchwert. Und über diesen Wert kann ich eigentlich nicht diskutieren, den habe ich oder den habe ich nicht. Das heißt, wir gucken natürlich immer, wie ist der materielle Wert zum 31.12. Jetzt haben wir 26, also 31.12.25, wenn wir jetzt eine Praxis dieses Jahr veräußern würden. Und dann habe ich quasi die erste Komponente materieller Wert, der steht im Anlagenverzeichnis. Und dann ist nur noch die Frage, sind da irgendwelche Gegenstände drin, die der Abgeber nicht mit veräußert. Manche haben das Praxisfahrzeug halt auch teilweise privat genutzt, dann wird es nicht mit veräußert, dann streiche ich das raus. Manche Mediziner sind ja auch Kunstliebhaber, die haben in der Praxis dann Kunsthängen, die einen gewissen Wert hat. Das wird auch ausgestrichen, weil sie das halt ins Privathaus überführen. Das ist so die erste Komponente. Das zweite ist dann das Immaterielle. Und da gucke ich einfach auf den Erlös der Praxis. Genauso wie in der Vergangenheit, wie wenn ich nach vorne gucke mit einer Ertragswertmethode. Was ist an künftigen Umsätzen zu erwarten? Und da spielen natürlich dann Scheinzahl, Scheinwert. Aber dann auch natürlich, und da kommt ihr ins Spiel, dieser ganze Patientenfluss, Patientensteuerung, Kommunikation zum Tragen, weil daraus resultiert ja dann ein Erlös, eine Umsatzkomponente.
- Speaker #0
Ja, absolut, klar. Mit Dr. Lipp, wir bringen die neuen Patienten, wir bringen die Wirtschaftlichkeit rein. Klar, ja, bin ich bei dir, spiel da auf jeden Fall mit rein. Wenn du jetzt, da würde ich gerne nochmal drauf zukommen, du hast es gesagt zum Beispiel, wenn ich jetzt dieses Jahr eine Preisübernahme plane, dann mache ich das im Dezember sozusagen, wird der Wert geschätzt. Gibt es denn einen genauen Zeitraum für Praxisübernahmen, Übergaben, die festgelegt sind? Oder kann ich im Endeffekt jeden Monat eine Praxis übergeben?
- Speaker #1
Jetzt müssen wir unterscheiden, bin ich im kassenärztlichen Versorgungssystem oder in der Privatpraxis? Bei der Privatpraxis ist es relativ einfach, da kann ich das zu jedem Zeitpunkt machen, wie ich will. Ich würde halt immer zum Monatswechsel sagen, im GKV. Im Bereich schaut es anders aus, weil ich dort ja immer eine Quartalsabrechnung habe. Deswegen würde ich als Übergabestichpunkt immer ein Quartalsbeginn nehmen. Also dass man ansagt, vom 1.4. zum 1.7. und so weiter. Steuerlich, und da kommen dann die Steuerberater mit an den Tisch, die wir ja dann auch mit im Boot haben, zu sagen, naja, was ist aber steuerlich sinnvoll für den Abgeber? Also da haben wir meistens das Thema über 55, man mäßigt der Steuersatz, dann schiebe ich das meistens auf den 2.1.
- Speaker #0
Ja.
- Speaker #1
Für den Übernehmer ist es weniger steuerlich relevant, aber wie gesagt, da muss der Steuerberater mehr Auskunft geben, weil ich im Prinzip nur vorweggenommene Gründungskosten abdicht ansetzen kann. Aber Quartalstichtag ist auf alle Fälle wichtig für die Abrechnung, sonst wird es mit der KV zu kompliziert.
- Speaker #0
Wobei ich in meiner Berufslaufbahn jetzt gerade bei Deutschland mitbekommen habe, also letztes Quartal ist eigentlich eher weniger, oder? Also es ist schon öfters zum Jahresanfang tatsächlich, dass eine Praxisübernahme oder Übergabe stattfindet, oder?
- Speaker #1
Wenn man es halt richtig plant, sollte immer so der zweite Erste eigentlich das Ziel sein. Das macht es für viele Dinge einfach, weil man sagt, der Abgeber hat im Prinzip noch ein volles Jahr, hat noch einen vollen Jahresabschluss und der Neue startet quasi im neuen Jahr. Das macht die Abgrenzung einfach leichter.
- Speaker #0
Was sind denn aus deiner Sicht die größten Fehler, die man bei einer Praxisübernahme machen kann oder auch die Best Practices? Also beides im Endeffekt.
- Speaker #1
Also finanziell würde ich mal sagen, bei der Übernahme sollte man öffentliche Förderdarlehen beanspruchen. Gibt es ja über die LFA, über die KfW und sowas. Da gibt es aber immer so ein Beihilfeformular, das muss man als allererstes ausfüllen, bevor man mit der Gründung quasi beginnt. Das vergessen viele und dann kriegen sie halt nicht mehr diese zinsgünstigen Darlehen. Deswegen ist da Planung und eine Zeitschiene mit einem Experten sinnvoll. Wann mache ich welche Schritte, wann brauche ich welche Formulare, wann brauche ich welche Anträge. Das ist ja genau das, was ich letztlich mache. den Überblick zu behalten. Schnellschüsse, also dass es immer mal unterschreibt, einfach mal irgendwas, ohne sich im Prinzip zurückzuversichern. Das heißt, in so einem Kaufvertrag, Praxisübernahmevertrag, gehören eigentlich auch immer drei Sachen. Zum einen ist immer die aufschiebende Bedingung, dass natürlich die Kassenärztliche Vereinigung die Zulassung erteilt. Also wenn wir über eine GKV-Praxis sprechen. Das zweite ist, dass der Vermieter im Prinzip einen neuen Mietvertrag. genehmigt und aufgesetzt hat. Und das Dritte ist dann, weil der Abgeber möchte ja in der Regel auch ein bisschen Geld dafür, dass es eine Finanzierungszusage einer deutschlandansässigen Bank gibt. Und damit schütze ich eigentlich den Übernehmer zu sagen, nur wenn diese drei Faktoren erfüllt sind, ich habe das Geld für die Übernahme, ich weiß in welchen Räumlichkeiten und ich darf die gesetzlich Versicherten abrechnen, dann geht ja in der Regel auch nicht schief, dann lege ich los. Der Veräußerer ist dann halt einfach dahingehend mit angewiesen, diese Punkte halt auch beizutragen, zu erfüllen, den Kontakt zum Vermieter herzustellen, selber die Nachbesetzung bei der KV einzuleiten und so weiter.
- Speaker #0
Ja, ist interessant. Was ich mich dabei auch frage, wenn ich jetzt gerade, weil du auch sprichst mit dem Vermieter, mit dem muss ich mich ja im Endeffekt auch gut stellen, oder? Der könnte ja theoretisch auch sagen, nee, Sie sind mir unsympathisch, was auch immer. Oder ich habe jemand anderes, der reinkommt, die Praxisübernahme kommt nicht zustande.
- Speaker #1
Achtung! Ja, durchaus, auch schon passiert. Dann ist halt immer die Frage, finde ich halt irgendwo einfach geeignete Räume? Dann müssen wir nur aufpassen, bei einer Übernahme habe ich in der Regel Bestandsschutz, Stichwort Barrierefreiheit. Wenn ich dann wieder in neue Räumlichkeiten gehe, sollten die halt möglichst barrierefrei sein. Weil die Gewerbeaufsicht kommt halt auch irgendwann mal vorbei und prüft das auch mal. Aber da kommt es auch wieder darauf an, wo bin ich unterwegs? erleben schon den Trend, dass gerade die Ballungszentren wie München, Berlin oder Hamburg natürlich stark nachgefragt sind bei den Jungmedizinern, weil natürlich nach der Weiterbildung in der Niederlassung, man möchte irgendwo auch das Stadtleben noch genießen, verstehe ich. Da ist der Vermieter in der Regel immer daran interessiert, dass der Übernehmer übernimmt, weil er zu diesem Zeitpunkt auch einfach den Mietzins nochmal anpassen kann. Und tendenziell wird er nicht nach unten angepasst.
- Speaker #0
Ja, okay. Und ... Was würdest du sagen, wie lange dauert es tatsächlich von der Übernahme bis hin zur Schlüsselübergabe am Ende? Also ich meine, wir haben jetzt von den drei bis fünf Jahren gesprochen. Ich glaube jetzt nicht, dass das drei bis fünf Jahre insgesamt dauert, sondern es ist sozusagen der harte Weg.
- Speaker #1
Also der harte Weg würde ich sagen ein Jahr, beziehungsweise ich habe gerade einen aktuellen Fall. Also wir haben jetzt vor zwei Wochen gestartet, nicht mal zwei Wochen, Gynäkologieübernahme. Zwei Ärztinnen, die das dann in Teilzeit quasi übernehmen, sich einen Sitz teilen. Und der jetzige Inhaber einfach von jetzt auf gleich ausfällt, gesundheitsbedingt. Also da muss alles schneller gehen. Also da ist gerade Druck auf dem Kessel. Aber ansonsten einfach seitens der Kassenärztlichen Vereinigung brauche ich eigentlich ein halbes Jahr, weil der Abgeber muss ja im Prinzip den Antrag auf Nachbesetzung stellen. Dann kann ich mich im Folgeurteil darauf bewerben und dann wird mir der Sitz auch zugeteilt, wenn der Zulassungsausschuss so entscheidet. Das heißt, da habe ich ein halbes Jahr Formalität, Bürokratie. Und... Diesen Weg strebe ich natürlich erst dann an, wenn ich mit demjenigen einig bin. Also erst, wenn ich einen Kaufvertrag unterschrieben habe. Und deswegen sage ich, ein Ja ist auf alle Fälle gut.
- Speaker #0
Ja, ich kriege es immer wieder mit, weil ich doch ja auch immer wieder mit den Ärzten, auch trotzdem über unsere Partner, auch immer noch zu tun habe, dass auch oft das Problem ist, dass die Ärzte auch zwar die Praxis übergeben, der Nachfolger oder Nachfolgerin kommt in die Praxis rein, aber der alte Arzt oder Ärztin bleibt noch in der Praxis mit dabei. und will nochmal zwei Jahre mitarbeiten. Wo siehst du da die Schwierigkeiten?
- Speaker #1
Die eine Frage ist, ist es überhaupt notwendig und relevant? Jetzt gerade in den Ballungszentren, wenn wir einen gesperrten Versorgungsbereich haben, ist es ja meistens die Lösung, dass man die Zulassung zugunsten einer Anstellung quasi dann überträgt und dann einfach noch drei Jahre mitarbeitet. Das hat gewisse Vor- und Nachteile. man darf auch immer nicht vergessen, je nachdem, wie viele Familienangehörigen vielleicht noch mit in der Praxis beschäftigt sind, wie gehe ich da einen sauberen Cut hin. Ich glaube, meinen Mitarbeitenden würde es ja auch schwer fallen, wenn ich jetzt hier das Unternehmen veräußern würde, es wäre ein neuer Chef da, der eigentlich alles entscheiden darf und muss und ich bin aber trotzdem noch da. Also das sind einfach gelebte Strukturen. Und ich glaube, das ist ein bisschen schwierig, auch bei den Patienten. Ich möchte dann doch nochmal mit dem Senior sprechen. Der ist doch da. Den habe ich doch auf dem Flur gesehen. Also muss man immer von Fall zu Fall gucken. Ist es sinnvoll? Vielleicht hat derjenige ja auch noch eine wertvolle Zufallssatzqualifikation in der allgemeinen Medizin, eine Substitution oder sowas, die der Neue vielleicht noch nicht hat. Dann hilft es ja auch beim Abrechnungsvolumen.
- Speaker #0
Ja, okay. Vielen lieben Dank dafür. Lass uns noch mal kurz zur Praxisbewertung kommen. Welche Tools nutzt ihr denn, um eine Praxisbewertung durchzuführen?
- Speaker #1
Also wir haben eigentlich zwei. Bewertungsansätze, die wir dann natürlich kombinieren. Wir gucken einmal in die Vergangenheit mit der Ärztekammer-Methode, das sind so die letzten vier Jahre rückwirkend. Und dann gucken wir immer noch drei Jahre nach vorne mit dem Ertragswertverfahren oder modifiziertem Ertragswert. Das heißt, was würde die Praxis noch künftig an Umsatz abwerfen? Und dann versuche ich natürlich aus beiden im Prinzip den Mittelwert zu bilden. Das heißt, ich stelle die Vergangenheit und die Zukunftsprognose gegenüber. Dann habe ich im Prinzip zwei Verfahren angewandt und bitte das Mittel. Dann komme ich zu einer realistischen Bewertung.
- Speaker #0
Und gibt es dabei eine Diskrepanz zwischen dem ermittelten Praxiswert und dem finalen Kaufpreis?
- Speaker #1
Mittlerweile ja, einfach weil ich gucken muss, wo ist die Übernahme. Also im Ballungszentrum, bleibe ich jetzt wieder in den Städten Berlin, Hamburg, München, da habe ich einen Wert auf dem Papier. Und da ist der Abgeber immer noch in der Position, dass er sagen kann, ja, auf dem Papier habe ich den Wert und darunter passiert sogar gar nichts. Und dann gibt es eher so einen Bieterwettkampf, der nach oben hingeht. In eher mitteldeutschen Städten oder vielleicht auch ländlicher geprägt. Da habe ich vielleicht eine super ausgestattete Praxis für Allgemeinmedizin, die auf dem Papier 200.000 Euro wert ist. Aber wenn es niemanden gibt, der diese Praxis übernehmen will, dann bringt es mir auch nichts. Und wenn es dann jemanden gibt, der sagt, ja, würde ich machen. Ich zahle halt nur 100.000 Euro und dafür habe ich diese Rückwirkung. Rückbaukosten nicht und bin den Mietvertrag los. Also muss man wirklich gucken, wo ist der Standort? Gibt es beides.
- Speaker #0
Was ist denn da, also woran erkennt ihr denn, dass eine Praxis dann auch überbewertet ist am Ende? Ich meine, klar, mehr Geld rauszuschlagen ist immer schön für den Übergeber. Genau, woran macht ihr das fest?
- Speaker #1
Ja, das ist ja der Vorteil, dass es bei diesen Bewertungen, deswegen bin ich auch Mitglied im Verband freier Sachverständiger. gewisse Kriterien gibt, an denen wir uns orientieren. Und wenn ich dann einfach sage, innerhalb der Ärztekammer-Methode gibt es einfach ein gesetztes Berechnungsschema, genauso wie beim modifizierten Ertragswert, dann muss ich dieses Schema anwenden. Und wenn ich das eins zu eins anwende, so wie es im Lehrbuch steht, sage ich jetzt mal, dann ist es eigentlich unabhängig davon, welcher Gutachter das macht, sondern am Ende muss derselbe Wert rauskommen. Ich habe bei ein paar tieferen Kriterien Möglichkeiten, noch ein bisschen Einfluss auf den Wert zu nehmen, gerade wenn ich in die Zukunft gucke. Also da kann ich einfach noch eine gewisse Gewichtung mit reinbringen, dass ich einfach sage, okay, wie ist denn im Prinzip das Patientenaufkommen in den nächsten Jahren? Wie gewichte ich das? Auf dem gleichen Niveau, wird es besser, wird es schlechter, wird es stark besser, wird es stark schlechter? Wie ist es mit der Infrastruktur? Und dann habe ich da vielleicht noch eine Abweichung von 5 bis 10 Prozent, wo ich es nach oben oder nach unten korrigieren kann. Und zur Not geht man wirklich dann mit... sage ich mal, der anderen Seite mit dem Wirtschaftsprüfer, mit dem Steuerberater, mit dem Gutachter, mit dem Finanzberater nochmal die Zahlen durch und sagt, wie kommt jetzt dieser Wert zustande? Weil ich muss ja sowieso als Abgeber dann die Hose runterlassen, weil der Übernehmer oder die Übernehmerin muss das Ganze ja tendenziell finanzieren und die Bank will alles sehen.
- Speaker #0
Ja, ist schön. Du spannst für mich auch sehr gut den Bogen da zu den Patienten in der Zukunft, dass ich da auch die Patienten in die Praxis kriege. Da kommen wir nochmal zum Thema auch digitale Tools in den Praxen. Was sagst du denn, welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf eine Übernahme bzw. auf eine Übergabe in den Praxen heute?
- Speaker #1
Imensen. Also wenn ich jetzt im Bereich Zahnheilkunde, Kieferorthopädie, Oralchirurgie und denke, digitales Röntgen oder sowas ist eigentlich state of the art, wenn ich das als Abgeber noch nicht habe, dann reduziert das den Verkaufspreis. Im Bereich der Humanmedizin geht es ganz stark über das Thema, wie werde ich gefunden und leue ich denn die Patientenkommunikation, was ja auch... auch euer Thema mit ist, weil ich halt einfach merke, jetzt bin ich 38, habe zwei kleine Mädels. Also ich bin unserem Kinderarzt dankbar, dass ich das ganz bequem über eine App buchen kann. Also ich habe nicht die Zeit und die Muße, mich da eine Stunde in den Telefonwarteschlangen zu hängen. Und die haben einfach gesagt, das Telefon gibt es nicht mehr. Und so muss ich halt hergehen und sagen, welches Klientel bediene ich? Als Kinderarzt habe ich ja, so wie wir jetzt unterwegs sind, als... junge Eltern eher digital affine, dann muss ich mich dem auch öffnen. Da kann ich nicht mit dem Klemmgerät kommen. Wenn ich jetzt eher noch, sage ich mal, im Rehabereich unterwegs bin, wo ich vielleicht eher noch ältere Patienten habe und in der Chirurgie, wo ich sage, ja okay, da ist es vielleicht noch legitim, dass ich nicht so digital affin bin, weil die Patienten auch das vielleicht noch nicht so können. Wobei, soweit ich gelesen habe, die 16-Jährigen sind mit die digital affinsten. Also die brauchen Digitalisierung und das macht sie ja auch die Abläufe. in der Praxis viel einfacher. Das ist ja der eigentliche Grund, ich mache es einfacher.
- Speaker #0
Also sprichst mir aus der Seele, da kommt ja noch die KI dazu, dass ich ja auch die KI inzwischen habe als Telefonassistent, wenn ich in der Praxis wirklich gar nicht mehr durchkomme, dass ich da zumindest die Möglichkeit habe, über die KI einen Termin terminiert zu kriegen oder halt eine To-Do in der Praxis runterschreibe. Gerade auch für die älteren Patienten, die dann vielleicht doch nochmal anrufen, wobei man sagen muss, ja, es ist tatsächlich so, auch gerade die älteren PatientInnen. nutzen digitale Tools wie gerade auch DrLib, aber können auch anrufen und haben wir beide Möglichkeiten, sag ich mal. Sehr interessant, dass du es auch sagst, dass es sehr wichtig ist, gerade für eine Übernahme einfach ein digitales Tool zu haben. Würdest du denn sagen, es macht Sinn, wenn ich weiß, ich übergebe eine Praxis, in dem Fall einen Online-Kalender schon vorher zu nutzen, um einfach die Praxisbewertung zu erhöhen oder... Ist es gleichgestellt, ob ich das dann implementiere, wenn ich die Praxis übernommen habe oder vorher, vor der Übergabe?
- Speaker #1
Aus Bewertungssicht würde ich sagen, das müsste ich relativ frühzeitig machen, weil ich ja nur die Folge bewerte. Also wenn da durch eine Umsatzsteigerung oder eine Kostenreduktion zustande kommt, sehe ich das in der Umsatz- und in der Kostenstruktur. Das heißt, das zwei Wochen vorher einzuführen, hat gar keinen Einfluss irgendwo. Mache ich das aber zwei oder drei Jahre vorher, hat es definitiv noch einen Einfluss, wenn ich es richtig anwende. Der Übernehmer, der ist eigentlich in der glücklichen Situation, das ist jetzt auch gerade in den aktuellen Fällen, wo der Abgeber das noch nicht hat. Natürlich stellen die dann zum 1.7. alles auch auf digital, weil die Patienten sehnen sich ja auch danach.
- Speaker #0
Ja, plus, das auch noch zu ergänzen, denke ich, man muss ja auch dazu sagen, dass die meisten Ärzte oder Ärztinnen, die eine Praxis übernehmen, ja auch eher jung aufgestellt sind. Und meistens sind ja diejenigen, die die Praxis übergeben, diejenigen, die dann in Rente gehen. Von daher, ja, die kennen das dann gerade wie wir als junge Eltern schon von ihren Ärzten sowieso oder noch aus der Uni. Was würdest du denn sagen, wenn ich eine Praxis übergebe, welche digitalen Tools sollte ich auf jeden Fall haben?
- Speaker #1
Ja, also dann fange ich eigentlich ganz rudimentär an. Derjenige sollte im Internet gefunden werden. Die Existenzgründer stellen mir immer Fragen. Hengelhardt, kann ich mir dazu was angucken zu dem Fäuser? Gibt es eine Homepage? So, wenn es nochmal keine gibt, wird es schwierig. Die zweite Frage ist immer die Barrierefreiheit der Praxis und das dritte ist dann eigentlich, wie sind die Zahlen? Also brauche ich schon mal eine Homepage. Über die Homepage Kommunikation, digitale Patientenkommunikation, Patientenführung, das sollte ich dann haben und das natürlich idealerweise kombiniert mit einer Schnittstelle zum PVS oder das einheitliche System, das ist ja egal, aber dass ich direkt denjenigen, der irgendwas bucht und mir Informationen gibt, natürlich auch, wenn er physisch vor mir steht, sofort auch auf dem Bildschirm habe, ohne dass er noch irgendwas Großpapiermäßiges ergänzen muss. Zur Not gibt es noch ein Tablet, was ich irgendwo noch hinführe. Und dann habe ich eigentlich diese gesamte Kommunikations- und Dokumentationsstrecke digital, was mir ja dann auch hilft, das Ganze wieder digital bei der Abrechnung zu übertragen oder an eine privatärztliche Abrechnungsstelle.
- Speaker #0
Okay, vielen Dank. Ich habe von Ärzten oder Ärztinnen immer gehört, die Digitalisierung ist die Zukunft. Gerade wenn du das sagst, nee, es ist nicht die Zukunft, es ist die absolute Gegenwart. Ich muss mich damit beschäftigen, wenn ich eine Praxis übergeben oder auch übernehmen möchte. Nenne mir doch mal kurz drei Tipps und Tricks, was man beachten sollte als Käufer oder Verkäufer.
- Speaker #1
Also als Käufer würde ich sagen, entspannt zurücklehnen. Man sitzt in einer besseren Verhandlungsposition, weil man gefragt ist. Dementsprechend dann auch Zeitplan sauber aufsetzen. Und das Dritte ist dann, gerade wenn wir über die weibliche Medizin sprechen, wie schaut eigentlich die Lebensplanung aus? Da ist auch der wichtigste Punkt, wo ist der künftige Praxisstandort? Wenn man Kinder hat, mit Kindern geht immer irgendwas, es gibt immer einen Notfall, das weißt du, das weiß ich. Wie weit ist mein Weg zur Praxis, zur Kita, zum Kindergarten, zu der Schule, zur Notaufnahme? Also das würde ich mal aus der Sicht sagen. Und als Abgeber zeitlichen Vorlauf, die kaufmännischen Unterlagen auf Stand haben. Wenn ich dann jemanden habe, der meine Praxis will und bei der Bank anfragt, dann will der sofort. Die letzten drei Jahresabschlüsse und die BWA zum 31.12. Also jetzt sind wir hier im Februar. Ich meine, jetzt brauche ich noch nicht die BWA zum 31.12.25, aber November sollte vorliegen. Das ist ja auch wieder ein Zeichen. Ich kümmere mich um meine Zahlen. Ich kann das auf Knopfdruck rausbringen. Das Dritte, ich glaube, das ist sicherlich schwierig, weil es ist das eigene Lebenswerk. Es ist das eigene Baby. Man hat da viel Zeit verbracht. Das ist die Energie. Zulassen, dass jemand anders das dann vielleicht weiterführt weiterführt und auf eine andere Art und Weise.
- Speaker #0
Okay, okay. Ja, das sind doch tolle Tipps und Tricks, die du mir da gerade genannt hast. Vielleicht so langsam, dass wir zum Abschluss kommen. Sag mir doch nochmal, hast du eine Praxisübernahme oder Übergabe, die dir im Gedächtnis geblieben ist, wo du sagst, boah. Das war aus den und den Gründen toll oder vielleicht auch nicht so toll. Ja, wer weiß, vielleicht ist es auch am Ende gescheitert. Und wie hat dann digitales Tool auch eine Rolle dabei gespielt?
- Speaker #1
Also da kommen mir jetzt spontan mehrere. Jetzt nehme ich mal einen jüngsten Fall Allgemeinmedizin in einer relativ großen Stadt in Deutschland, wo wir auf einmal festgestellt haben, dass die Zahl, also wir haben den Übernehmer betreut, jetzigen Praxisinhaber, dass wir festgestellt haben, okay, die Zahlen, die wir bekommen haben, anscheinend passen die nicht, weil im Prinzip da die Staatsanwaltschaft ermittelt. und das heißt, dieser Wert, der natürlich errechnet war, den gab es nicht. So und das ist natürlich spannend dann zu sehen, wie gehe ich damit um, weil dann hat man natürlich gleich mit ganz anderen Behörden auch einen täglichen Austausch. Umso mehr ist es dann wichtig jetzt für den Übernehmer, digital affin weiterzumachen oder zu starten, weil die Zahlen waren zu hoch, das heißt, die sind niedriger, das heißt, ich brauche auch neue Patienten über Online-Wege. Genau und der zweite Fall, jüngste Fall auch aus dem letzten Jahr, das sind... Einfach zwei Gesellschafterinnen auseinandergegangen, weil es menschlich einfach auch nicht mehr gepasst hat. Das gehört auch mit dazu. Und das ist dann halt immer schwierig, weil man faktische Werte auf dem Papier hat, aber auf der Beziehungsebene vielleicht halt einfach dem anderen nichts mehr gönnt. Dann wird es halt auch schwierig. Und dann ist es egal, wie die Mitarbeiter organisiert sein. Die Praxis ist top digital. Das hilft dann alles weiter nicht, wenn zwei Leute sich gegenseitig bekriegen.
- Speaker #0
Absolut. Also das kann auch nicht weiter funktionieren. Vielen lieben Dank für die Einblicke. Hast du denn noch was, was du unseren Hörerinnen noch mitgeben möchtest auf den Weg?
- Speaker #1
Ja, es sei mutig. Also jeder, der das will, hat es bisher geschafft. Insolvenzquote in der Medizin, in der Niederlassung unter 1%. Ich glaube, 1% ist auch die statistische Standardabweichung. Das heißt, wir haben eigentlich keine Insolvenzquote, wenn nichts mit Krankheit, Straftat oder sonst irgendwas passiert. Seid mutig. Ihr seid gefragt. Wir brauchen euch, also aus Sicht des Patienten, wir brauchen ganz viele Praxen.
- Speaker #0
Vielen lieben Dank, Fabian, dass du dabei warst heute. Es waren wirklich tolle Einblicke. Ich habe sehr, sehr viel gelernt von drei bis fünf Jahren Vorplanung über das, dass man immer zum zweiten Ersten die Praxis übernehmen sollte, über die Vorteile, Nachteile, dass man digitale Tools braucht und, und, und. Wenn unsere Hörerinnen Interesse haben, mit dir auch in Kontakt zu treten, wie finden sie dich bzw. euch?
- Speaker #1
Ich sage jetzt mal, mein Name ist hier eingeblendet. Also wer den Namen googelt, landet bei uns auf der Homepage. Da ist auch eine E-Mail-Adresse. Ansonsten einen Punkt zwischen dem Namen und @ baz.de ergänzen. Folgt uns auf Jungmediziner auf Instagram. Unseren eigenen Podcast, den ich dann hoste, gibt es dann auf YouTube auch unter Jungmediziner. Also wer mich finden will oder uns finden will, der findet uns.
- Speaker #0
Okay, super. Dann vielen Dank für den spannenden Austausch und dass du heute bei uns warst. Natürlich auch alle Informationen zu Doctolib und unseren Lösungen findet ihr auf doctolib.de. Dort könnt ihr auch einen Beratungstermin direkt mit uns vereinbaren. Hat dir die Folge gefallen, dann abonniere auch gerne unseren Podcast und bewerte uns gerne. Welche Themen beschäftigen dich in deiner Praxis? Schreibt uns gerne Vorschläge zur kommenden Folge. Wir freuen uns drauf und empfehlen uns auch gerne an KollegInnen weiter, damit auch alle von unseren Insights profitieren können. Vielen Dank, Fabian. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit dir. Vielen Dank für die spannenden Einblicke und für alle Hörer:innen. Bis zum nächsten Mal und einen schönen Tag noch. Bleibt gesund!