- Speaker #0
Hallo und herzlich willkommen zum Doctolib Partnerships Podcast. Mein Name ist Alexander Bieker, Partnershipsmanager von Dr. Lib. Bei Dr. Lib arbeiten wir mit 130.000 Gesundheitsfachkräften und über 25 Millionen Patienten zusammen und helfen Praxen und Krankenhäusern mit unseren Softwarelösungen den Alltag zu entlasten. Ich starte mal mit einer Zahl, die mich beim Lesen echt getroffen hat. Von allen MFAs, die in Deutschland ausgebildet werden, ist nach 15 Jahren noch die Hälfte im Beruf tätig. Die andere Hälfte ist weg. Und von denen, die gegangen sind, keiner von ihnen plant zurückzukommen. Nicht eine. Das ist nicht nur ein Recruiting-Problem, das ist ein Berufsbild, das gerade an einem Scheideweg steht. Warum verlassen MFAs den Beruf und was können Praxen heute konkret dagegen tun? Genau darum geht es in dieser Folge. Ich freue mich sehr, meine Gäste begrüßen zu dürfen. Zum einen Emmanuel Crué von praxiscom und Partner von Doctolib. Manu, stell dich gerne mal kurz vor.
- Speaker #1
Ja, sehr gerne. Vielen Dank, Alex. Vielen Dank auch für die Einladung. Es freut mich sehr, dass wir uns heute die Gelegenheit vorstellen dürfen und über das Thema zu sprechen. Ich bin Gründer und Geschäftsführer der PraxisGAM GmbH. Wir machen Praxismarketing, also Marketing für Ärzte und zahlen Ärzte seit über 25 Jahren. Was haben wir vor? Wir zählen Gewinnen, dass wir Mitarbeiter gewinnen. Und unser Meta-Ziel ist eigentlich, aus einer Praxis eine ganz starke Marke aufzubauen. Und wie wir das machen? Über die Strategie. über die Medien, die wir entwickeln, also über ein starkes Erscheinungsbild und Webseite-Optimierung für Google, Meta-Kampagnen und so weiter. Vielleicht haben wir die Möglichkeit, heute über die Sachen zu sprechen. Was habe ich mit Doctolib gemeinsam oder was hat Doctolib mit mir gemeinsam? Wir sind beide ein echtes Produkt aus Frankreich. Genau. Ich komme tatsächlich aus dem Norden, aus Lille und freue mich auch, wie gesagt, heute dabei zu sein.
- Speaker #0
Sehr schön. Danke, Manu. Und dann freut es mich natürlich noch... Ich habe ganz besonders Erfahrung, live aus der Praxis herauszubekommen. Zu Gast auch Alexander Gärtner, Orthopäde seines Zeichens. Alex, erzähl gerne was zu dir.
- Speaker #2
Ja, hallo auch von mir aus. Vielen, vielen Dank für die Einladung. Freut mich, dass ich die Gelegenheit bekomme, aus der Praxis zu dem Thema zu sprechen, was extrem wichtig ist. Ja, ich bin Alexander, Familienvater und ein halb griechisches Produkt. Ich kann jetzt nicht mit Frankreich dienen, aber zumindest zur Hälfte mit Griechenland. Ich bin Alleinkämpfer auf dem Land sozusagen mit einer Privatpraxis für Orthopädie und Unfallchirurgie. Die betreibe ich dort seit mehreren Jahren, komme ursprünglich aus einem schulmedizinischen Uniklinikbereich und dann über mehrere Schritte eben habe ich mich selbstständig gemacht, unter anderem, um die Zielen so zu betreiben, wie ich das möchte und unter anderem eben auch, um eine Praxis so zu führen, wie ich das möchte. Und da kommt ihr ins Spiel. Das interessiert mich sehr. Neben der Medizin bin ich eben auch Unternehmer, was häufig bei Ärzten vergessen wird. Und da gibt es Stellstrauben, die wir drehen können und die halt, warum auch immer, im ärztlichen Bereich wenig gedreht werden. Und darüber sprechen wir heute.
- Speaker #0
Genau, sehr schön. Ja, danke für die kurze Einleitung. Alexander, direkt die erste Frage an dich. Das Intro, MFA ist die Hälfte, ist nach 15 Jahren weg, kommt auch nicht wieder. Was macht das mit dir? Was macht das mit deinem Job? Und erzähl auch gerne mal, wie ist es bei dir in der Praxis?
- Speaker #2
Ich finde das extrem schade, grundsätzlich, wenn es eine Diskrepanz gibt zwischen dem, was sich jemand, der einen Beruf erlernen möchte, vorstellt und dem, was dann nachher draus wird. Und das ist ein Riesenproblem, was wir haben, weil bestimmte Prozesse in unserem Leben weitergehen und bestimmte Strukturen einfach stecken bleiben. Das erleben wir in vielen Bereichen und unter anderem eben auch da. Ich habe in meiner Praxis einen Führungsstil übernommen. der dazu führt, Gott sei Dank, dass wir aktuell einen Stellenstand haben von minus eins. Also das heißt, ich habe eine Mitarbeiterin, die ist seit zwei Jahren dran und möchte unbedingt bei uns arbeiten. Und jetzt im Januar habe ich dann die Stelle gebaut dazu. Insofern, ich habe das geschafft, Gott sei Dank. Und ich hoffe, das bleibt auch noch lange so, dass ich ja aus einer vollen Schublade herausgreifen kann. Aber das ist nicht selbstverständlich. Und das hatte auch eine Vorgeschichte, nämlich, dass ich genau auf solche Dinge gucke. Warum gehen MFAs? Welches Verständnis haben die Mitarbeiter von ihrem Beruf und welches Verständnis habe ich? Ist das überhaupt konkurrent? Und wie kann ich das hinbekommen, dass MFA das machen, was sie tun möchten und was sie lieben und weswegen sie den Beruf ergriffen haben?
- Speaker #0
Hast du denn aus der Erfahrung heraus auch so ein bisschen Fragen oder Antworten gesammelt? Was sagen deine MFAs? Warum würden sie theoretisch den Job verlassen oder wo liegt aktuell der Pain-Point der MFAs?
- Speaker #2
Ich habe natürlich vorher meine MFAs gefragt. Als ihr mich eingeladen habt, habe ich natürlich gedacht, naja, die erste Frage geht natürlich an die MFAs. Das sind diejenigen, die es betrifft. Das Hauptproblem ist eigentlich, dass wir sozusagen einfach uns Kette abarbeiten. Also Frau so und so, tun Sie dies, so und so tun Sie das. Und da gibt es kaum noch Verantwortlichkeiten und kaum noch echten Kontakt zum Patienten. Denn wenn man guckt, was die MFAs heute wollen, dann ist das erstens Kontakt zum Patienten. Die wollen gesundheitlich etwas verändern. Und zum Zweiten ist es Eigenverantwortung im Job. Und die wollen nicht Befehlsempfänger sein. sondern die wollen selbst ihren Job mit kreieren dürfen. Und das ist ein Riesenproblem. Viele sagen auch, naja, warum soll ich MFA werden? Ich werde dann Praxismanager und dann hört es auf. Wo soll ich denn dann noch hin? Ich fange mit 20 mit dem Beruf an, dann bin ich 30, bin Praxismanager und dann hört es auf. Was soll ich denn noch weitermachen? Und das ist ein Riesenproblem. Da gehen die natürlich dann auch. Und das scheint ja auch diese 15 Jahre zu sein, wo sich die Leute überlegen, gut, das war es jetzt, ich habe jetzt alles erreicht, was geht jetzt noch weiter? Und dann müssen sie wieder ans Telefon und dann müssen sie wieder XYZ in irgendwelchen Aktenbergen erledigen, was sie nicht weiterbringt und nicht glücklich macht. Das kann ich auch verstehen.
- Speaker #0
Ja, richtig. Ein ganz großes Thema in Praxen ist natürlich aber auch immer wieder das Telefonaufkommen. Wie ist es da bei euch? Weil auch aus meiner Erfahrung aus dem Vertrieb bei Doctolib ursprünglich war immer wieder das Thema in den Praxen, die Telefonlast ist einfach viel zu hoch. Zu viele Patienten rufen an. Genau das, was du sagst. Wir wollen eigentlich mehr. mit den Patienten, am Patienten arbeiten. Aber wir sind dann doch eher nur am Telefon gebunden und müssen Rezeptionistinnenarbeit übernehmen. Ist das auch ein Thema bei dir in der Praxis?
- Speaker #2
Das hat mehrere Punkte, an denen man dann ansetzen kann. Man kann natürlich gucken, dass man auch dieses Telefon so etwas entlastet. Man kann analysieren, wer ruft da an und was will derjenige, der da anruft. Und dann kann man gucken, muss das unbedingt am Telefon passieren oder kann das nicht per E-Mail passieren oder kann ich nicht meine Sprechstunde so gestalten, dass die Patienten Anfragen und Nachfragen deutlich abnehmen. Dazu brauche ich aber wieder, und dann sind wir bei einem Grundproblem in der Medizin, brauche ich natürlich wieder Zeit. wie möchte ich denn den Patienten in drei Minuten Kassensprechstunde so weit befriedigen mit seinen Fragen, dass er zu Hause sitzt, alles verstanden hat und eben nicht nochmal anrufen muss und die und die und die Frage stellen muss. Das ist das eine. Und das Zweite ist natürlich die digitalen Lösungen, die es ja mittlerweile gibt, dass man einen zum Beispiel KI-basierten Telefonassistenten nutzt. Das ist Fluch und Segen gleichzeitig. Wenn man ihn richtig einsetzt, ist das super. Wenn man nur noch den Telefonassistenten hat, ist es natürlich auch schwierig. Insbesondere ältere Patienten sind das nicht gewohnt und können gar nicht damit umgehen. Wir benutzen einen bekannten Telefonassistenten. Und der funktioniert extrem gut. Und das ist halt auch wirklich echte technische Entwicklung. Er priorisiert eben auch. Das ist eben nicht ein Drücken Sie bitte die Eins, wenn Sie Kassenpatient sind und drücken Sie die Zwei, wenn Sie Privatpatient sind, sondern es ist ein eben wirklich interaktiver Telefonassistent. Nichtsdestotrotz gibt es Patienten, die damit nicht zurechtkommen, die sich daran erst gewöhnen müssen. Aber das ist ja ein grundsätzliches Problem. Wir kriegen im Alltag immer mehr KI. Also wer hat denn nicht KI mittlerweile auf dem Handy und fragt beim Einkaufen, wo kriege ich XYZ günstiger, was heißen die Inhaltsstoffe oder wie auch immer. Das ist die Entwicklung und da werden wir uns ein Stück dran gewöhnen müssen. Ich bin nur ein Freund davon, das mitzugestalten nach unseren Wünschen und nach unseren Bedürfnissen, bevor sich da irgendetwas verselbstständigt. Und dafür sind natürlich solche Formate wie das jetzt hier heute, wo sich eben Leute aus dem Marketing, Leute aus der Entwicklung und Leute aus der Praxis unterhalten.
- Speaker #0
Ja, da bringst du auch einen guten Punkt mit rein. Wir wollen ja heute auch ein bisschen über das Thema KI in der Praxis sprechen. Ja, auch wie kann die dazu beitragen, MFAs in dem Job langfristig zu halten? Und da wäre jetzt auch mal konkret nochmal meine Frage. Wie war das, als du gesagt hast, hey, wir setzen jetzt KI in der Praxis ein, gerade auch ein KI-Telefonassistenten. Wie sind die MFAs damit umgegangen?
- Speaker #2
Ja, also als erstes mal war Skepsis da, wie das immer ist, wenn man was Neues einführt. Das ist ja immer so ein bisschen Try and Error. Aber letztendlich sind sie alle froh, dass wir es haben, weil wir natürlich das Arbeitsaufkommen in dem Bereich deutlich reduzieren können. Insbesondere, also es ist zum einen natürlich eine Arbeitserleichterung für uns, zum anderen ein maximaler Service an den Patienten, weil in unserer Praxis könnt ihr anrufen, nachts um zwölf, da geht jemand dran. Und zwar nicht irgendwie auf irgendeinem Anrufbeantworter unbeobachtet. Wenn die MFA morgens hier um 7 Uhr oder 8 Uhr den PC anmacht, dann bekommt sie eben direkt vorgeführt, okay, da war heute Nacht ein wichtiger Anruf, der muss sofort jetzt erledigt werden. Oder da war ein Anruf, der muss heute Vormittag erledigt werden. Oder sagt dem Doc am Ende der Sprechstunde Bescheid, da war heute Nacht ein Anruf, den kann der dann erledigen. Und das ist natürlich wie bei allem, was man einführt, erstmal ungewohnt und dann muss man ein bisschen bearbeiten und gucken, wie man das in seinen Alltag integriert. Und dann ist es gut. Und mittlerweile ist es bei uns. Vollends im Alltag. Übrigens nicht nur mit dem Telefon, sondern auch mit anderen KI-basierten Dingen.
- Speaker #0
Was nutzt ihr da sonst noch so?
- Speaker #2
Also das hat eine weite Range. Das geht natürlich erst einmal im Patientenmanagement. Also die Abrechnung, die wird KI-basiert gemacht. Befunde werden KI-basiert zusammengetragen bis hin zu radiologischen Befunden. Also mittlerweile kann man auch Röntgenbilder KI-basiert sich angucken. Insbesondere dann, wenn die Leute in einer anderen Praxis durchgeschleust werden. Und die klinischen Daten verloren gehen. Wenn einfach ein Foto gemacht wird, dann kann man im Nachgang dann zusammen mit den Radiologen auch KI-basiert eben Befunde generieren und nochmal Review passieren lassen. Das geht von Social Recruiting über eine Marketingfirma. Das geht bis über Benchmark. Also wir machen unsere Zahlen, laufen automatisiert über KI. Wir bekommen über KI mitgeteilt, hier müsst ihr aufpassen, da ist irgendetwas finanziell eingebrochen, da hat sich plötzlich der Patientenstrom geändert. Ist das gewollt, ist das nicht gewollt? Ja, das sind so die groben Bereiche. Und natürlich, klar, Urlaubsplanung und so weiter, also auch Personalmanagement ist KI-basiert.
- Speaker #0
Ja, okay, verstehe. Ja, da hast du ja schon eine kleine Überleitung zu Manu gegeben, Social Recruiting. Da ist er dann auf jeden Fall der Profi für Manu. Was würdest du sagen oder wie ist es bei euch im Alltag, wenn eine Praxis auf euch zukommt, sagt, hey, wir brauchen eure Unterstützung. Wie könnt ihr mithilfe von KI die Praxis dahingehend unterstützen?
- Speaker #1
Also was wir machen können und der Alex hat das Stichwort schon mal gerade im Mund genommen, das Thema Social Recruiting. Also wir sind in der Lage eigentlich Personal zu finden, Social Media. Aber ich würde vielleicht mal kurz erklären, warum das so funktioniert und wie das funktioniert. Es gibt Mängel am Markt, ja. Leute haben den Arbeitsmarkt verlassen. Die kriegen wir wahrscheinlich nicht so zurück. Was wir tun, ist, dass wir Leute, die gerade in einer Stelle sind, und wir helfen denen, einen besseren Job zu finden. Das ist eigentlich die Idee. Und warum das so ist, weil man kann sich vorstellen, wir haben eine Spitze. Die Spitze sind die Leute, die gerade einen Job suchen. Das sind die wenigsten. Und diese, die einen Job suchen, die finden einen Job morgen, übermorgen. Die gehen auf die Börse, die es gibt. Die bekannte Jobbörse, das ist überhaupt kein Problem. Für die anderen, das geht darum, diese Leute zu erreichen und das Angebot zu unterbreiten. Ich hätte vielleicht für dich einen Job, der besser ist, der näher liegt, wo du andere Funktionen hast und so weiter. Und dafür haben wir eigentlich ein super Tool, das ist nämlich die Social Media. Die sozialen Netzwerke sind deswegen so gut, weil die werden super viel aufgerufen. Also ich habe hier aktuell einen Zahn v on der Meta-Gruppe oder von Facebook und Insta, wo die Hälfte der Bevölkerung monatlich auf der Plattform ist. Das heißt, es ist eine Menge an Leuten. Und das Gute, diese Leute werden passiv, und das ist vielleicht auch ein wichtiger Wort, passiv angesprochen. Das heißt, die gehen auf deren Wall durch, schauen sich, was gepostet wurde, und da kommt genau die Botschaft. Und das ist eine super Möglichkeit, weil man kann sie genau erreichen, ohne dass sie das wissen. Deswegen ist die Plattform so stark. Und warum ist es auch genau so stark? Weil Technologie, die da eingesetzt wird, nämlich die KI-Technologie, die wir selber einsetzen und die Meta einsetzt, die macht das so, dass wir können genau die Leute einsprechen, die wir brauchen, die wir benötigen. Das heißt, das Profil ist fest definiert. Also wir haben ein sehr präzises Profil von den Leuten, von den Aufgaben. Und damit können wir, wie gesagt, diese Leute wunderbar erreichen. Mit einer Angebot kommen, sagen, ich suche eine Stelle, ich habe eine Stelle zu. zu bieten, hier hast du Interesse. Also ganz schnell so abgekürzt, aber das ist der Weg, ja.
- Speaker #0
Ja, sehr schön, sehr schön. Nein, ich denke auch, die guten Mitarbeiterinnen sind auch selten auf der Suche. Ja, also wie du schon sagst, es gibt da große Plattformen, da können die sich melden, wenn nach Jobs suchen. Habt ihr da Erfahrung, wird sowas überhaupt noch benutzt bei den Mitarbeiterinnen, dass sie jetzt wirklich aktiv auf bekannten Plattformen suchen? Oder ist es schon wirklich eher ein großer Erfolg über dieses Social Recruiting?
- Speaker #1
Also was wir sehen im Alltag ist, dass die Leute, die kommen teilweise verzweifelt auf uns zu und sagen, ich brauche dringend Personal, weil meine Praxis kann nicht so laufen, wie sie laufen soll. Das heißt, die haben auch schon einiges probiert. Die haben auch auf Plattformen was geschaltet. Die waren mal bei der Kammer, die haben mal an das schwarze Brett gehängt, aber das hat nichts gebracht. Es gibt eine interessante Studie von der KZVB hier, die ist auch von 2024. Es geht darum, dass sie sagen, bis zu 3,5 Stellen wurden darüber generiert. Und das ist natürlich viel zu wenig. Und deswegen, was wir damit erreichen, ist, dass wir können, wenn wir so eine Kampagne aufstellen und landen hier im Schnitt pro Kampagne bei 13,53. Also das sind 13 Bewerbungen im Schnitt, die wir bekommen. Wir fahren immer Kampagnen über vier Wochen. Das ist absichtlich so gemacht. Wir lassen nicht unendlich laufen, sondern pro Abschnitt oder pro Monate. Und wenn nach vier Wochen die Stelle besetzt ist, dann umso besser. Da spart sich Geld. Aber wir bekommen 13 Bewerbungen und das ist eine Menge. Also wir haben Leute, die wie gesagt verzweifelt sind, haben alle Kanäle schon mal probiert, also klassische, herkömmliche Kanäle und sagen, was können wir machen? Lass uns mal probieren. Es ist kein Versprechen, aber wir haben gute Erfahrungen damit. Wichtig ist auch vielleicht die Frage, was bringt das zum Erfolg? Ich würde sagen, was zum Erfolg bringt, ist, dass man nicht nur die Kampagne selber losgelöst sieht, sondern das Gesamte. Bild von der Praxis, Stichwort Branding, also Marke, weil der potenzielle Bewerber sich auch bewerben wird. Er wird nicht nur einfach die Kampagne anschauen und einfach durchlesen, was da ist. Er wird einfach googeln, gucken, was wird die Praxis erzählt, was kann ich emotional, eine emotionale Bestätigung holen. Und deswegen ist es so wichtig, dass man sagt, mein Google-Profil ist gepflegt mit Bewertungen, dass man diese Bewertungen beantwortet, dass man auch diese Wertschätzung für die Patient auch zeigt. Daraus entsteht auch ein Gefühl. Wie tickt die Praxis, wie ist die Beziehung zum Patienten? Die Webseite muss auch da sein, die muss emotional da sein. Das bedeutet, dass man ein Gefühl bekommt, wie ist die Mannschaft da, wie tickt der Arzt? Habe ich einfach Bock, in der Praxis zu arbeiten? Diese Faktoren machen ein gesamtes Bild und damit kann ich erfolgreich sein und nicht nur einfach so losgelöst eine Kampagne zu schalten. Das kann auch natürlich nach hinten gehen. Ja,
- Speaker #0
sehr interessant. Alexander, wie ist das bei dir? Es kommt es vielleicht auch mal vor, dass ein Kollege oder eine Kollegin auf dich zukommt und sagt, hey, ich habe totale Probleme MFAs zu finden, ich tue mich schwer mit KI und Digitalisierung, scheue vielleicht so ein bisschen die finanzielle Investition. Was redest du denen oder wen unterstützt du, deine Kollegen und Kolleginnen?
- Speaker #2
Also wenn jemand so käme, würde ich ihm klar sagen, ja, was willst du, duschen oder nass werden? Das eine geht nicht ohne das andere. Du kannst dich nicht beschweren, dass du keine Mitarbeiter kriegst und dann aber die ganze Zeit da sitzen und warten, dass die kommen. Wo sollen die herkommen? Das ist ja genau die Arroganz aus früheren Zeiten, zu sagen, ich bin hier der Halbgott in weiß und die Leute sollen froh sein, dass sie für mich arbeiten. Also insofern, man muss da auch sich bewegen und zwar nicht nur in den bisher bekannten, üblichen medizinischen Strukturen, sei es Fortbildung und so weiter, sondern da gehört zunehmend auch eine Unternehmenskultur dazu. Und dazu gehört eben, Online-Dinge zu präsentieren. Dazu gehört ganz klar, gerade in den letzten Jahren, zunehmend auch KI. Und wer sich beschwert, dass er dafür zu viel Geld ausgibt, der hat wahrscheinlich noch nicht verstanden, dass er das, was er heute da investiert, in ein paar Jahren doppelt und dreifach wieder zurückbekommt. Und das würde ich ihm sagen und aus meiner Erfahrung auch berichten.
- Speaker #0
Ja, sehe ich genauso. Ich denke aber... Da spricht der Unternehmer und das kann ich auch nur,
- Speaker #1
Alex Gärtner in dem Fall, ich kann es einfach nur sagen, das ist der richtige Weg. Ich habe die Entwicklung gesehen, du hast die Praxis jetzt vor zwei Jahren, glaube ich, einen Wechsel gemacht und ich sehe die Entwicklung und ich sehe, wie du tickst. Ja, aber das ist von meiner Seite ein Appell an viele Ärzte, die uns hören werden, hoffentlich zu sagen, die Thematik Medizin, ja, aber man muss auch investieren und deswegen man muss. den Spagat finden zwischen Unternehmertum und Medizin. Ihr seid Mediziner und das ist auch gut so, ihr habt die Kompetenz dazu. Aber man muss auch denken, dass eine Praxis ja wiederum ein Unternehmen ist und es muss geführt werden, man muss investieren, damit man überhaupt mal später was bekommt. Und das ist ganz wichtig.
- Speaker #2
Vor allen Dingen manche Praxen, die stellen den Mitarbeitern einen Obstkorb zur Verfügung und einen Jobfahrer und denken, das ist jetzt Unternehmung. Das stimmt halt nicht. Da muss man schon mit der Zeit gehen.
- Speaker #0
Hast du da irgendwie konkrete Beispiele? Weil das ist ein gutes Stichwort. Also glaubt ihr zum einen beide, dass Ärzte manchmal zu wenig Unternehmer sind? Weil ich sage mal so, es ist schon ein Unternehmen, was man führt. Man hat Führungsverantwortung, man muss Personal führen, man muss ein Wirtschaftsunternehmen mit unterführen. Ich möchte aber auch eigentlich seinen Job ausüben, den man gelernt hat, und zwar an Patienten zu arbeiten, Arzt zu sein. Das stelle ich mir alles ein bisschen schwierig vor. Wie seht ihr das?
- Speaker #1
Eine gefährliche Frage. Ich würde die Frage drehen und sagen, das geht besser, wenn man als Unternehmer denkt und dass man langfristig sagt, ich investiere jetzt eigentlich für die Zukunft. Und sowas sollte vielleicht öfter mal so als Frage gestellt werden. Was mache ich jetzt für eine Tätigkeit oder für eine Vision, damit der Laden besser läuft? Dass die Ärzte nicht Unternehmer sind, würde ich nicht so sagen. Wer sich niederlässt, hat schon die Idee dabei, daraus was zu machen. Also insofern, die Idee ist dabei. Vielleicht die Begleitung ist nicht die richtige dafür.
- Speaker #0
Danke dir auf jeden Fall. Aber vielleicht noch mal von dir, Alexander. Jetzt sagst du, Obstkorb reicht nicht mehr. Jobfahrrad reicht nicht mehr. Ich denke mal, man kennt es in seinem beruflichen Umfeld. Jedes Unternehmen hat so ein paar Sachen, was es gerne als Benefits mitgibt. Was würdest du sagen oder was rätst du, wo können Kollegen, Kolleginnen Ihre MFAs noch unterstützen. Was tust du für deine Mitarbeiterin?
- Speaker #2
Also zur vorherigen Frage möchte ich auch noch mal kurz einen Satz sagen, der nicht provokant ist. Das ist, man muss sich ja vorstellen, wir Ärzte, wir studieren sechs Jahre lang. Und wenn wir damit fertig sind, dann machen wir eine Facharztausbildung. Die ist auch noch mal etwa fünf bis sechs Jahre lang, je nachdem, was man macht. Man ist zwölf Jahre am Studieren und am Lernen. Und dann wird man vom System ausgespuckt. Wenn man dann auch noch, so wie ich, zehn Weiterbildungen macht, von der Zusatzbezeichnung Sportmedizin, manuelle Therapie, Chirotherapie, Akupunktur, bla Dann hat man noch mal ein paar Jahre auf dem Buckel und dann sitzt man in einer Praxis, soll das alles an den Mann bringen und hat nicht eine einzige Stunde in der Uni gehabt, in der gesagt wurde, wie geht überhaupt Unternehmertum? Was ist der Unterschied zwischen Einnahmen und Gewinn? Das muss man selber machen. Und das ist halt auch die Schwierigkeit. Das wird uns so beigebracht über Jahre, das ist nicht wichtig. Deswegen den Punkt wollte ich nur noch ergänzen. Und was machen wir? Neben den ganzen KI-basierten Dingen, die ich ja jetzt eben schon alle aufgezählt habe, um die Arbeit zu erleichtern, haben wir zum Beispiel, das ist jetzt unser aktuelles Baby gewesen, was wir verabschiedet haben, wir haben eine betriebseigene Vermögenskasse für die Mitarbeiterinnen gegründet, in denen sie einzahlen können und versicherungsfrei mit deutlich höheren Renditen als irgendwo anders ihre Altersvorsorge betreiben können. Die haben alle eine Gehaltserhöhung bekommen, die in diese Altersvorsorge reinläuft und können sich da ein Vermögen aufbauen. bekommen das Bezuschuss von uns. Jeder Euro, der da reingeht, der wird bis zu verdoppelt, je nach Betriebszugehörigkeit. Das ist übrigens auch ein Tool, was dafür sorgt, dass die Leute nicht nach 15 Jahren sagen Tschüss. Und ja, und wir schaffen hier einfach ein Gemeinsam-Heilsam. Ja, das ist sozusagen unser Claim hier. Gemeinsam-Heilsam, das leben wir jeden Tag, weil wir den Mitarbeiterinnen dieses Gemeinsam auch vermitteln. Die sind aktiv an Prozessen beteiligt. anderen Praxen vielleicht verheimlicht werden. Ich habe Mitarbeiter, die haben vollen Kontozugriff auf alle Konten. Jede Mitarbeiterin hat eine eigene Mastercard, die über die Firma läuft. Wir binden die Mitarbeiterin in diese Prozesse auch mit ein. Die können mitentscheiden, die können mit kreieren, die können Vorschläge machen und sehen aber auch dann direkt, was hat das für einen Effekt. Also ich habe keine Mitarbeiterin, die sagt, ich will das und das. Ich sage, ja, können wir machen. Wie stellst du es dir vor, hier ist die letzte BWA, wovon soll ich das bezahlen? Und dann macht sie mir entweder einen Vorschlag oder sie sagt, naja, das geht halt nicht. Und da ist der Weg. Also dieses, wie gesagt, gemeinsam heilsam Vertrauen schenken, Verantwortung übergeben und Wertschätzung.
- Speaker #1
Das ist genau das Rezept, die Kultur zu schaffen, dass die Leute sagen, ich bin ein Teil des Teams und wir schaffen das gemeinsam. Und da bindest du Leute langfristig. Klar, es wird immer wieder einen Wechsel geben, weil einer muss sich entwickeln, ist aber okay. Aber wenn du das schaffst, dass die Leute nicht für das Geld arbeiten, die stehen auf und freuen sich, in die Praxis zu kommen, Dann hast du das geschafft, dass die Leute... haben eine zweite Familie gefunden. Und das vergessen einige, also diejenigen, die hohe Rotation haben, die vergessen das. Die sind in einem Tunnel oder können das ziemlich zusammenbringen und führen. Und dann gibt es Rotation, Fluktuation. Und im Gegenteil, die Leute, die das genau schaffen, und Alex ist ein super Beispiel dafür, der die Beispiele gerade genannt hat, bin sicher, die Leute bleiben da. Die arbeiten gemeinsam an den... an dem Erfolg der Praxis. Und das muss man da, glaube ich, im Fokus setzen.
- Speaker #0
Wie ist es denn vielleicht auch mal, jetzt über den Nachwuchs auch noch mal kurz gesprochen, bevor wir so langsam auch zum Ende kommen. Wie sieht das aus, Alexander, bildet ihr aus? Tatsächlich auch interessanterweise herausgefunden, dass die Ausbildungszahlen auf einem Rekord hoch sind. Aber trotzdem haben wir eben viele, die sich dann langfristig nicht mehr für den Job entscheiden, wie wir jetzt schon festgestellt haben. Bildet ihr auch aus? Habt ihr da auch Erfahrung?
- Speaker #2
Ja, das habe ich in meiner früheren Praxis. Ich war vorher in einer Gemeinschaftspraxis, da haben wir ausgebildet. Das haben wir auch auf mehreren Spuren gemacht. Wir hatten immer mehrere Auszubildenden. Das war aber eine Gemeinschaftspraxis mit fünf Ärzten. Da ist das im Alltag einfacher. unterzubringen. Jetzt aktuell in der Struktur, in der ich mich gerade befinde, haben wir das nicht. Das heißt aber nicht, dass ich das nicht will, sondern dass wir einfach bisher geguckt haben, dass wir die Praxis ans Laufen kriegen und auf den Stand bekommen, wie er jetzt ist. Und das ist absolut ein mittelfristiges Thema für uns auch auszubilden.
- Speaker #0
Ja. Manu, was sagst du dazu? Wie ist denn so deine Erfahrung? Du arbeitest ja auch mit vielen anderen Praxen zusammen. Sieht es da ähnlich aus?
- Speaker #1
Ja, genau. Das kann ich ja auch genau so unterstützen, was er gerade sagt. Das geht genau in diese Richtung.
- Speaker #0
Ja, super. Es hat mich gefreut, dass ihr heute dabei wart. Vielleicht noch eine Sache. Wenn ihr unseren Zuhörern und Zuhörerinnen eine Sache mit auf den Weg geben könntet, was wäre das jeweils? Vielleicht, Manu, fang du gerne an.
- Speaker #1
Also ich würde gerne nochmal zwei Themen vielleicht nochmal aufgreifen. Das eine ist, dass... Wenn man über Probleme spricht, ja, die Probleme wäre, wenn ich Personal brauche, dann sage ich, Börse reichen gar nicht mehr. Das heißt, das muss man über andere Wege das lösen. KI unterstützt wunderbar dafür, dass man noch über Social Recruiting denkt. Und wenn ich, ich würde sagen, als zweiter Ansatz, mach drei Schritte zurück und beobachte die Situation von ganz weit weg. Das Problem, was du hast in der Praxis, dass du heute kein Personal hast, wir lösen das über eine Kampagne, aber... Vielleicht können wir das langfristig anders lösen, indem du deine Kultur beeinflusst, dass du für deine Mitarbeiter mehr machst, dass du, wenn man über das Erscheinungsbild der Praxis, dass man auch die visuelle Marke führt. Und es führt dazu, dass Mitarbeiter sich die Sache anders betrachten werden. Dann kriegst du andere Leute. Und dann muss man einfach schon, dass diese Leute in der Praxis bleiben. Aber das ist eine Frage der Kultur. Also nochmal zusammengefasst, die zwei Ansätze. Problem kurzfristig haben wir eine Lösung. Langfristig ist eigentlich über die Praxis nachzudenken, wie die aufgebaut ist.
- Speaker #0
Ja, super. Danke. Alex, bei dir?
- Speaker #2
Ich würde das genau unterstützen mit etwas anderen Worten, vielleicht aus der Praxis heraus. Die KI, die wir im Moment mitbekommen, ist ein starkes Tool. Wir sind in der glücklichen Lage, an der Entwicklung ja mit teilhaben zu dürfen und das mitformen zu dürfen. Dazu müssen wir uns einbringen. Dazu müssen wir mit Leuten in Kontakt gehen, die sich damit auskennen. Und auf der anderen Seite ist es aber eben ein Tool und das ist so ähnlich wie in der Medizin. Wenn jemand kommt und 200 Kilo wiegt und mich fragt, was ich von der Abnehm-Spritze halte, dann sage ich ihm, starkes Tool ist super, dann kannst du gucken, dass du da runterkommst, aber vergiss nicht deine Basics, vergiss nicht deine Werkzeuge, die dir der liebe Gott mitgegeben hat. Im Abnehmfall ist das eben gesunde Ernährung und Bewegung. In unseren Praxen ist es eben Aufgabenvertrauen, Zoll weitergeben. und Wertschätzung.
- Speaker #0
Sehr, sehr, sehr gut. Vielen Dank. Ja, vielleicht auch nochmal von meiner Seite oder auch von der Dr. Lipp Seite. Ich würde auch einfach sagen, dass auch gerade da nochmal unsere Tools auch wirklich dabei helfen können, MFAs in ihrem Alltag zu entlasten, ihnen auch wirklich einfach mehr Zeit wiedergeben, für das sie ausgebildet wurden und zwar die Arbeit an Patienten und an der Patientin. Und das auch dann manchmal ein Grund dafür sein kann, wirklich auch noch langfristig den Job ausüben zu wollen und auch wieder Spaß daran zu haben. Meine Lieben, ich danke euch nochmal vielmals, dass ihr dabei wart. Danke auch an die Hörer und Zuhörerinnen. Wenn ihr nähere Infos zu den beiden sucht, schaut gerne in die Shownotes rein und ich sage bis zum nächsten Mal. Ciao.
- Speaker #2
Ja, vielen Dank für die Einladung. Tschüss.